Im Jahr 2010 waren 15,5 Prozent der Nordhessen armutsgefährdet

Armut in Region steigt trotz Aufschwung an

Kassel. Trotz der vielen Meldungen über die positive Entwicklung Nordhessens nimmt die Zahl der armutsgefährdeten Menschen zu. Im Jahr 2010 lag der Anteil dieser Personen mit 15,5 Prozent (2009: 15,3 und 2005: 14,6) so hoch wie in keiner anderen hessischen Region, berichtet jetzt der Paritätische Gesamtverband.

Gleichzeitig sank die Zahl der Hartz-IV-Empfänger in der Region weiter. Dass sich die Armut dennoch ausbreitet, liegt an einer wachsenden Zahl von Arbeitnehmern, die so wenig verdienen, dass sie davon kaum leben können.

In den vergangenen Wochen bewiesen viele Studien, dass sich Kassel zu einer Boomregion entwickelt hat: Im Städtetest von „Wirtschaftswoche“ und der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft überraschte Kassel als dynamischste deutsche Stadt. Doch die Zahlen des Paritätischen Gesamtverbandes belegen, dass es damit längst nicht allen Menschen in Stadt und Landkreis Kassel gut geht.

Auf der einen Seite hat zwar der Anteil derjenigen, die von Hartz IV leben müssen, abgenommen. Bezogen auf alle Menschen unter 65 Jahre, die also noch keine Altersbezüge erhalten, lag die Quote bei 14,4 Prozent in Kassel (2009: 15,9) und im Landkreis bei 6,3 Prozent (2009: 7). Dennoch gab es mehr Menschen, die so wenig Geld zur Verfügung hatten, dass sie in Armut lebten oder davon gefährdet waren – das heißt, weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens hatten.

„Die Gründe sind darin zu suchen, dass viele Menschen in der Region zwar Arbeit gefunden haben, aber davon allein kaum leben können. Etliche liegen mit ihrem Einkommen offenbar knapp unter der Anspruchsgrenze für ergänzende Sozialleistungen“, sagt Detlev Ruchhöft, Geschäftsführer des Jobcenters Kassel. In Kassel bekommt jeder dritte erwerbsfähige Hartz-IV-Bezieher (5500 Menschen) diese Leistung, weil er in seinem Beruf nicht genug verdient.

Von Bastian Ludwig

Rubriklistenbild: © dpa

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