Zahl der Obdachlosen in Kassel steigt

Armut wächst trotz guter Wirtschaftslage

Kassel. Obwohl die Arbeitslosenquote in Kassel mit 9,2 Prozent so niedrig ist wie seit 30 Jahren nicht mehr, wächst das Armutsproblem.

Allein in den vergangenen fünf Jahren haben sich die städtischen Ausgaben für Hilfe zum Lebensunterhalt, Grundsicherung im Alter und Hilfe zur Pflege drastisch erhöht. Allein die Summe dieser Leistungen ist zwischen 2009 und 2014 von jährlich 33,6 Mio. auf 48,1 Mio. Euro gestiegen. Ein Anstieg um 43 Prozent. Dies geht aus Zahlen des Kasseler Sozialamtes hervor.

Eine der Ursachen für den vermeintlichen Widerspruch zwischen hoher Beschäftigungsquote und wachsender Armut sei, dass bestimmte Personengruppen von der Arbeitslosenquote nicht abgebildet würden, sagt Ute Pähns, Leiterin des Sozialamtes. Etwa solche, die wegen gesundheitlicher Probleme nicht in der Lage seien, mindestens drei Stunden täglich zu arbeiten.

Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre sei die Altersarmut, so Pähns. Wegen des demografischen Wandels und der häufig nicht kostendeckenden Leistungen der Pflegeversicherung steige der Bedarf an zusätzlicher Unterstützung.

Die aktuell gute Beschäftigungslage werde sich vermutlich erst in 10 bis 15 Jahren positiv auswirken, wenn die jetzt Berufstätigen in Ruhestand gingen und dann hoffentlich insgesamt über höhere Renten verfügten. „Ich hoffe, dass die Entwicklung bei der Hilfe zur Pflege nicht so rasant weiter geht wie in den letzten drei Jahren“, sagt Pähns. Eine Chance seien die präventiven Angebote für ältere Menschen, die verhindern sollen, dass diese frühzeitig auf Pflegedienstleistungen angewiesen sind.

Ebenfalls ansteigend ist die Zahl der Obdachlosen. Zählte die Stadt vor fünf Jahren noch 254, waren es 2013 bereits 332 gewesen. Ursache ist, dass es derzeit wegen des angespannten Wohnungsmarktes zu wenig Angebot gibt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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