Bekleidungsgeschäfte profitieren vor allem von documenta-Besuchern aus Fernost

Für Asiaten zählt die Marke

Interessiert sich für die Mode der Künstler Seth Price und Tim Hamilton: Roby Misium aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn unterwegs bei Sinn Leffers. Foto:  Koch

Kassel. Roby Misium aus dem New Yorker Stadtteil Brooklyn ist begeistert von der documenta. Er ist seit Anfang Juni bereits zum zweiten Mal in Kassel. Nach den ersten zwei Wochen der Ausstellung bleibt er jetzt gleich einen ganzen Monat. Misium nutzt die Zeit nicht nur für die Kunst. Er schlendert auch durch die Geschäfte.

Bei Sinn Leffers kommt der Kunstliebhaber besonders auf seine Kosten: Dort wird die extravagante weiße Mode der Künstler Seth Price und Tim Hamilton angeboten: Weiße Mäntel, Blousons und Overalls. Von den Mänteln ist schon ein gutes Dutzend verkauft worden, sagt Geschäftsleiterin Sabine-Amélie Alt. Auch die Blousons liefen gut. „Viele wollen ein Stück documenta mit nach Hause nehmen.“

Besondere Atmosphäre

Eine achtköpfige Gruppe aus China habe kürzlich alle Stücke anprobiert und sich gegenseitig fotografiert, erzählt Alt. Letztlich hätten die Chinesen aber vor dem Kauf zurückgeschreckt. Ihnen wäre es lieber gewesen, wenn es die Kollektion in Schwarz gebe.

Apropos Asiaten: Sie sorgen besonders im Modegeschäft Heinsius & Sander an der Oberen Königsstraße für Umsatz. „Früher ging die documenta am Handel vorbei“, sagt Chef Torsten Evers. Mittlerweile mache das internationale Kunstpublikum einen erheblichen Anteil seiner Kundschaft aus. Bereits bei der documenta vor fünf Jahren habe sich die Kaufkraft der Asiaten bemerkbar gemacht. „Die haben das Shopping-Gen und gucken nicht auf den Preis, sondern das Label“, sagt Evers. Besonders Chinesen seien sehr markenbewusst.

Sein Geschäft profitiere zudem davon, dass quasi die ganze Stadt mit documenta-Standorten übersät sei. Documenta-

Besucher, die vom Fridericianum zum Weinberg oder Hugenottenhaus gehen, machten gern einen Abstecher in sein Geschäft.

Internationale Kundschaft und Kassel-Besucher aus ganz Deutschland schauen derzeit auch im Damenmodegeschäft Stella (Köhler) am Friedrichsplatz vorbei. „Es herrscht eine sehr fröhliche, eine sehr offene Atmosphäre“, sagt Abteilungsleiterin Gabriele Lanz. Das Kunstpublikum mache sich beim Umsatz schon bemerkbar. „Der wäre nicht so stabil, wenn die documenta nicht wäre“, sagt Lanz.

Auch C&A-Filialleiter Richard Skornia genießt die Kunst-Atmosphäre und den documenta-Standort im eigenen Haus: „Das ist toll, es macht einfach Spaß.“ Einen deutlichen Umsatzzuwachs hat er trotz der vielen Menschen in der Stadt seit Beginn der documenta aber nicht bemerkt: „Die meisten Kunstbesucher hetzen durch die Stadt und haben keine Zeit zum Shoppen.“ Die meisten kauften nur das, was sie im Reisegepäck vergessen haben: Schirme, Socken, Regenjacken. ARTIKEL LINKS

Von Marcus Janz und Ulrike Pflüger-Scherb

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