"Wochenendrebellen" sind mit ihrem Buch auf Lesetour

Asperger-Autist reiste mit Vater durch Fußballstadien: Buch wird verfilmt

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Bei ihrem ersten Auftritt im Berliner Haus der Fußballkultur: Jason liest das von ihm geschriebene Vorwort. Vater Mirco trägt die von ihm geschriebenen Kapitel aus dem Hauptteil von „Wir Wochenendrebellen“ vor.

Kassel. Ein Vater aus Kassel reist mit seinem Sohn durch Fußballstadien in Deutschland und ganz Europa. Über die Abenteuer, die sie dabei erleben, schreibt er ein Buch. Das Besondere: Sohn Jason (12) ist Asperger-Autist. Jetzt sind sie gemeinsam auf Lesereise.

Begonnen hat alles vor sechs Jahren als Suche nach einem Lieblingsverein für seinen Sohn. Entwickelt hat sich die Reise von Mirco (40) und Jason von Juterczenka (12) aus Kassel zu einer Geschichte über Väter, Söhne, Erziehung und nebenbei auch über Fußball. Das Besondere: Jason ist Asperger-Autist. Seine Logik: Bevor er sich auf einen Verein festlegen kann, muss er alle gesehen haben. Und zwar wirklich alle.

Diese Geschichte hat Mirco in seinem Buch „Wir Wochenendrebellen“ aufgeschrieben, mit dem Jason und er gerade auf Lesereise sind. Am Sonntag laden sie ab 17 Uhr zum Heimspiel in die Bücherei Kirchditmold. Wir haben Jason und Mirco vor der Lesung getroffen und mit ihnen über die turbulente Zeit seit der Buchveröffentlichung im August gesprochen.

Beim Fotoshooting am Millerntor, dem Stadion des FC St. Pauli: Jason und Mirco von Juterczenka.

Die Lesereise ...

... startete im Dezember vergangenen Jahres. Nach Stationen im Berliner Haus der Fußballkulturen und am Millerntor, dem Stadion des FC St. Pauli in Hamburg, zu denen insgesamt knapp 180 Besucher kamen, stehen nach der Lesung in Kirchditmold am Sonntag noch Termine in Leverkusen am 9. März und bei der Autismus-Fachtagung im November in Rosenheim fest.

Mittlerweile ist auch der Deutsche Fußballbund (DFB) auf die Wochenendrebellen aufmerksam geworden. Die von Juterczenkas stehen mit dem DFB über Lesungen im Deutschen Fußballmuseum und im November auf der Buchmesse in Frankfurt in Kontakt. Außerdem haben einige Profivereine Interesse angemeldet, Lesungen organisieren zu wollen. Darunter die Bundesligisten FC Augsburg und FSV Mainz 05 sowie die Zweitligisten Fortuna Düsseldorf und Dynamo Dresden. Die Termine sollen zeitnah bekannt gegeben werden.

Mirco und Jason verzichten bei ihren Lesungen auf Gage, Aufwandsentschädigung und Hotelkostenübernahme. Dadurch können die Veranstalter freien Eintritt ermöglichen. Mit Spenden, die sie bei ihren Lesungen sammeln, unterstützen Jason und Mirco die Stiftung des Dortmunder Fußballprofis Neven Subotic (siehe Hintergrund). Bisher sind dadurch 1450 Euro zusammen gekommen. Ziel ist die 10 000-Euro-Marke. Dafür, sagt Mirko, müssten sie bei gleichbleibendem Spendenaufkommen noch 22 Lesungen halten.

Die Filmrechte ...

... an „Wir Wochenendrebellen“ sind verkauft. Einen Drehbuchautor gibt es auch schon. Dessen Name darf allerdings noch nicht verraten werden. Nur so viel: In seiner Vita befinden sich zahlreiche deutsche Fernsehproduktionen – darunter für den internationalen Markt produzierte Serienformate – sowie einige Kinofilme. Aktuell schreibe er an einem ersten Drehbuchentwurf und habe signalisiert, nah am Buch bleiben und eng mit Mirco und Jason zusammen arbeiten zu wollen.

Ob am Ende tatsächlich ein Kinofilm oder eine Serie fürs Fernsehen oder einen Streamingdienst entsteht, sei aktuell aber noch völlig offen. Bevor eine Verfilmung spruchreif sei, müsse sich eine Produktionsfirma finden. Der Autor stehe jedoch bereits in Kontakt mit zwei Firmen, mit denen er bereits mehrfach zusammengearbeitet habe, erzählt Mirco.

Wer die Regie übernehmen und wie die Besetzung aussehen könnte, steht demnach auch noch in den Sternen. Jason und Mirco haben zwar noch keine Vorstellung, wer sie auf der Leinwand oder dem Bildschirm verkörpern könnte, zumindest Jason wäre die Besetzung aber nicht ganz egal. „Hauptsache, mich spielt kein Idiot“, sagt er, ohne eine Miene zu verziehen. Mirco wäre, was seine Rolle angeht, letztlich mit jeder Wahl zufrieden, wobei er ein eher unbekanntes Gesicht bevorzugen würde. Auch bei der Frage Film oder Serie sind die beiden für alle Entwicklungen offen. Beides habe seine Vorteile, sagt Mirco. Bei einer Serie, wendet Jason ein, gäbe es aber mehr Filmmaterial. Und mehr sei natürlich immer besser.

Das Buch ...

Das Cover: "Wir Wochenendrebellen" in der gebundenen Erstauflage (Benevento-Verlag)

... ist in der Erstauflage im August vergangenen Jahres mit einer Auflage von 5000 Exemplaren beim Salzburger Verlag Benevento erschienen. Die Rechte für die Taschenbuchausgabe von "Wir Wochenendrebellen" hat sich nun der Münchener Goldmann-Verlag gesichert, der zu den umsatzstärksten Publikumsverlagen Deutschlands zählt. Im Frühjahr 2019 soll „Wir Wochenendrebellen“ als Taschenbuch bei Goldmann erscheinen – womöglich mit neuem Cover und Vorwort, eventuell auch mit anderem Titel. 

Von Juterczenka sieht in dem Wechsel eine Chance auf eine bessere Platzierung seines Buches in den Läden und damit auf eine breitere Leserschaft. Einen Vorteil sieht er auch in dem niedrigeren Preis für das Taschenbuch, der bei voraussichtlich zwölf Euro liegen wird. „Bei 20 Euro für die gebundene Ausgabe überlegt man sich schon zwei Mal, ob man so viel Geld für ein Buch von einem unbekannten Autor ausgeben möchte“, sagt von Juterczenka. 

Einen weiteren Erfolgsschub für von Juterczenkas Debüt könnte es im März geben. Dann wird „Wir Wochenendrebellen“ auf der Londoner Buchmesse beworben. Bereits jetzt gebe es zahlreiche Anfragen, das Buch etwa ins Englische, Schwedische, Tschechische und Polnische zu übersetzen, sagt von Juterczenka.

Service

Der Eintritt für die Lesung am kommenden Sonntag ab 17 Uhr in der Bücherei Kirchditmold, Baumgartenstraße 2, ist frei. Um Spenden für die Neven Subotic Stiftung wird gebeten. Aufgrund des begrenzten Platzes ist eine Anmeldung unter Tel.: 0561/766 954 94 (Mo und Fr, 14-19 Uhr) oder im Internet unter www.buecherei-kirchditmold.de erwünscht.

Mehr von Jason und Mirco von Juterczenka gibt es online unter www.wochenendrebell.de. Für ihren Podcast „Radiorebell“ und den begleitenden Blog erhielten sie 2017 den Grimme Online Award in der Kategorie Kultur und Unterhaltung.

Was ist eigentlich Asperger-Autismus?

Das Asperger-Syndrom (AS), dessen Diagnose auf den österreichischen Kinderarzt Hans Asperger zurückgeht, ist eine Variante des Autismus und zählt zu den tief greifenden Entwicklungsstörungen. Asperger-Autisten haben Schwierigkeiten, soziale Verhaltensweisen einzuordnen. Da sie Mimik, Gestik sowie Humor und Ironie in Sprache oft nicht erkennen, kommt es häufig zu Missverständnissen im Alltag. 

Gelegentlich geht mit dem AS zwar eine Hoch- oder Inselbegabung einher, die Intelligenz der meisten Asperger-Autisten ist aber normal ausgeprägt. Das durch Filme wie „Rain Man“ und Serien wie „The Big Bang Theory“ geprägte Bild des Autisten als sozial inkompetentes Genie ist demnach nicht komplett falsch, aber sehr selten. 

AS ist angeboren und nicht heilbar und macht sich etwa vom vierten Lebensjahr an bemerkbar. Das Syndrom wird als Behinderung eingestuft, bringt für Betroffene aber auch eine Vielzahl an Stärken mit sich. Häufig sind sie Anderen in den Bereichen der Wahrnehmung, der Selbstbeobachtung, der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung voraus.

Hintergrund: Das macht die Neven Subotic Stiftung

Der bosnisch-serbische Profifußballer Neven Subotic – derzeit beim Bundesligisten Borussia Dortmund unter Vertrag – gründete 2012 die „Neven Subotic Stiftung“. Die Stiftung unterstützt weltweit Projekte für Kinder in Not; unter anderem setzt sie sich für Brunnenbauprojekte in Afrika ein. Durch den sicheren Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäranlagen und Hygiene soll mehr Kindern die Möglichkeit geboten werden, am Schulunterricht teilzunehmen, weil ihre Gesundheit nicht länger durch mangelnde Hygiene gefährdet ist. Die Stiftung garantiert, dass die Spenden zu hundert Prozent für die Projektarbeit vor Ort eingesetzt werden und dokumentiert diese in persönlichen Berichten, Bildern und Videos auf ihrer Homepage. Mehr Informationen gibt es unter: www.nevensuboticstiftung.de

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