AStA zu Studiums-Fristen: „Liegen nicht alle auf der faulen Haut“

+
Hörsäle bald ohne Magister-Studenten: Die Studiengänge laufen bis 2013 aus.

Kassel. Sie gehören an der Universität zur aussterbenden Art: Die Magister- und Diplom-Studierenden. Von gut 20 000 angehenden Akademikern streben in Kassel 3500 noch die alten Abschlüsse an. Ein Großteil von ihnen gehört zu den sogenannten Langzeitstudenten - also jenen, die ihre Regelstudienzeit weit überschritten haben.

Lesen Sie auch

3500 Studenten droht Rauswurf aus Kasseler Uni

Aus Sicht des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) ist die Frist für einen Abschluss im alten Studiensystem dennoch zu kurz. Die Universität hält den Zeitraum für ausreichend.

„Niemand sollte überrascht sein, dass sein Studiengang nicht mehr angeboten wird“, sagt Guido Rijkhoek, Pressesprecher der Universität Kassel. Die 380 Magister-Studenten, die sich spätestens nächstes Jahr zur Prüfung anmelden müssen, seien rechtzeitig informiert worden. Nur drei der angeschriebenen Studenten lägen innerhalb der Regelstudienzeit von acht Semestern, ungefähr 100 studierten bereits über zehn Jahre. Unter den betroffenen Studenten seien wenige Härtefälle. Die Studenten, die etwa wegen der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen länger gebraucht hätten, ließen sich an zwei Händen abzählen und würden intensiv von der Universität beraten. „In diesen Fällen finden wir adäquate Lösungen“, sagt Rijkhoek.

Für den AStA kommt das Auslaufen der alten Studiengänge zu früh. Dessen Vorsitzender Sebastian Weise-Kusche glaubt vor allem an finanzielle Motive: „Die Universität bekommt kein Geld für Studierende, die die Regelstudienzeit überschritten haben.“ Insofern seien diese für die Universität ein Problem.

„Allerdings ist es ein schwerwiegender Fehler, diesen Studenten zu unterstellen, sie lägen auf der faulen Haut“, sagt Weise-Kusche. Viele seien aufgrund von Elternschaft oder weil sie ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten müssten doppelt belastet. Der AStA-Vorsitzende sieht die Entwicklung kritisch: „Wenn man der Meinung ist, sie sollten ihre Plätze räumen, bedeutet dies, dass nur noch kinderlose, gesunde Vollzeit-Studierende an die Unis gehen dürfen.“

Für die 3120 Diplom-Studierenden in Kassel ist die Lage noch etwas entspannter. Ab diesem Jahr laufen die Prüfungsordnungen für die Studiengänge nach und nach aus. 2018 werden die letzten Diplome vergeben. Auch beim Diplom gebe es viele Fälle, in denen die Regelstudienzeit deutlich überschritten worden sei, sagt Rijkhoek. Beim Diplom I, das innerhalb von drei Jahren zu erreichen sei, brauche ungefähr die Hälfte (1200 Studenten) schon mehr als fünf Jahre.

Für die 1260 Magister- und 1300 Diplom-Studenten an der Universität Göttingen gibt es solche Fristen nicht. „Bei uns sind Zwangsexmatrikulationen im Moment kein Thema“, sagt Pressesprecher Bernd Ebeling. Ähnlich ist es in Marburg. „Wir machen zwar Druck, aber es gibt keine absoluten Ausschlussfristen“, sagt Sprecherin Dr. Susanne Igler.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.