Kaum ein Student wollte das Geld zurückhaben

Uni-Posse um 82 Cent: Kasseler Asta kassiert zu viel Semesterbeitrag

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Nur nach Terminvereinbarung: Die Studierenden, die den Überschuss von 82 Cent vom Asta zurückhaben wollten, mussten dafür bis gestern zum Finanzreferat der Uni Kassel kommen.

Kassel. 82 Cent sind nicht viel Geld. Eben diesen Betrag hat die Universität Kassel aber von jedem Studierenden zu viel als Semestergebühr eingezogen. Jetzt sind unerwartet knapp 21.000 Euro im Pott.

Der Asta der Uni Kassel hat von jedem Studierenden 82 Cent zu viel Semesterbeitrag eingezogen. Bis Mittwoch hatten die Studierenden Zeit, ihr Geld in bar abzuholen. Doch es kam kaum jemand. Jetzt sind knapp 21.000 Euro Überschuss im Pott. Wir haben gefragt: Was war denn da los?

Von vorne: Der Überschuss ergab sich erst Ende Januar und kam vor allem durch den Betreiberwechsel beim Kasseler Fahrradverleihsystem zustande. Mit Nextbike handelte die Studierendenvertretung (Asta) einen Deal aus, wodurch die Gebühren um 50 Prozent sanken. Das ergab ein Plus von 75 Cent pro Studierendem. Die übrigen sieben Cent kamen durch eine verzögerte Kooperation beim Kulturticket hinzu.

Alles gut also? Fast. Denn die meisten Studierenden bekamen von dem unerwarteten Geldsegen gar nichts mit. Publik machte der Asta die Rückzahlung nämlich nur in einer Mitteilung auf seiner Homepage am 22. Januar. Auf Nachfrage, warum der Asta nicht einfach eine E-Mail an alle Studierenden geschickt habe, sagte Sprecher Ben Bussiek, dass dem Asta nur eine Rundmail an alle Studierenden pro Semester erlaubt sei. Uni-Pressesprecher Sebastian Mense erklärte, dass es dem Asta in begründeten Fällen jedoch möglich sei, weitere Rundmails zu verschicken. Eine solche Anfrage sei aber nicht gestellt geworden. Auch über eine Fristverlängerung hätte der Asta nachdenken können.

Hat der Asta also nicht genug getan, um die Studierenden auf ihren Anspruch hinzuweisen? Na ja, er hätte durchaus eine Anfrage bei der Unileitung stellen können, die Info über deren Mailverteiler zu verschicken. Hat er aber nicht. Und warum wurde das Geld nicht einfach an die Studierenden überwiesen? Weil laut Asta jede Überweisung einzeln hätte getätigt werden müssen. Bei mehr als 25.000 Studierenden und einer kalkulierten Bearbeitungszeit von fünf Minuten pro Überweisung hätte das 2083 Arbeitsstunden und rund 18 000 Euro Lohnkosten ergeben.

Also in bar: Die Studierenden hätten das Geld nach Terminvereinbarung im Finanzreferat abholen können. Das hat aber nur zweimal zwei Stunden pro Woche Sprechstunde. Doch hier gibt Bussiek Entwarnung: Termine wären auch außerhalb der Sprechzeiten möglich gewesen. Das ist auch gut so. Denn seit der Mitteilung Ende Januar bis zum Stichtag gestern hätte andernfalls für jeden Studierenden ein Auszahlungsfenster von lediglich 3,12 Sekunden bestanden – übergangslose Auszahlung vorausgesetzt. 

Bis auf ein paar wenige negative Beiträge im sozialen Netzwerk Jodel, hielt sich die Empörung der Studierenden sowieso in Grenzen. Erstens hatten die meisten gar nichts mitbekommen und zweitens waren von denen, die davon wussten, bis gestern Nachmittag gerade mal zwei gekommen, um sich die 82 Cent abzuholen.

Wofür der Asta das Geld nun verwenden wird, entscheidet sich voraussichtlich im Studierendenparlament Mitte April. Fest steht, dass das Geld dort investiert wird, wo es reingeholt wurde: im Bereich Mobilität und Kultur. Denkbar seien weitere Nextbike-Stationen und mehr Räder oder eine Investition in Großveranstaltungen wie das diesjährige Waschbär-Open-Air, hieß es vom Asta.

Die Wünsche der Studierenden

Noch steht nicht fest, für was der Asta die rund 21 000 Euro investieren wird. Da der unerwartete Überschuss im Bereich Mobilität und Kultur eingefahren wurde, muss er zweckgebunden auch dort reinvestiert werden. Wir haben uns auf dem Campus umgehört und Studierende gefragt, in welchem Bereich sie das Geld sinnvoll investiert sehen würden.

„Wichtiger als kulturelle Veranstaltungen sind die Kapazitäten auf dem Campus“, findet Markus Matczuk, Maschinenbaustudent im ersten Semester. „Man findet nur schwer einen Platz zum Lernen oder Arbeiten. Meiner Meinung nach sollte das Geld für die Schaffung von mehr Kapazitäten verwendet werden.“

In die gleiche Kerbe schlägt Samuel Plattner, der Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau studiert. Er ist ebenso wie Matczuk der Meinung, dass das Geld eher für den Ausbau von Raum zum Lernen und Arbeiten genutzt werden sollte. „Raum auf dem Campus ist immer Mangelware.“

Eine Investition in kulturelle Veranstaltungen sieht er kritisch. Er habe beispielsweise aufgrund seines arbeitsintensiven Studiums kaum Zeit, solche zu besuchen. „Eine andere Idee wäre, das Geld zu sparen und es beim nächsten Semesterbeitrag einfach bei jedem einzelnen abzuziehen. Somit hat jeder Studierende was davon.“

Ähnlich geht es Leo Koewenig. Er studiert ebenfalls Wirtschaftsingenieurwesen Maschinenbau und ist im ersten Semester und meint, das Geld solle für Reparaturarbeiten und technische Zwecke an der Uni genutzt werden. „Kulturzwecke interessieren mich persönlich nicht, da ich aufgrund meines Studiums keine Zeit für kulturelle Veranstaltungen habe.“

Zumindest einer unserer Gesprächspartner begrüßt, dass die 21 000 Euro im Bereich Mobilität und Kultur reinvestiert werden. Elektrotechnik-Student Benjamin Dolle sähe das Geld gut in der Bezuschussung des Waschbär-Open-Airs aufgehoben.

Auch eine Investition in das Fahrradverleihsystem würde der Student begrüßen. „Das Nextbike-System könnte außerdem noch ausgebaut werden und weitere Fahrrad-Stationen eingerichtet werden. Weiterhin könnte das Geld meiner Meinung nach auch für mehr Barrierefreiheit auf dem Campus genutzt werden.“

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