14 Asylbewerber in der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule angekommen

In der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule am Forstbachweg sind wieder Kinder eingezogen: Eine Familie mit fünf Kindern wohnt jetzt im einstigen Lehrerzimmer. Foto:  Zgoll

Kassel. Die ersten Flüchtlinge in diesem Jahr sind da: 14 Asylbewerber sind gestern Mittag in der ehemaligen Heinrich-Steul-Schule im Forstfeld angekommen. Darunter zwei Familien aus Serbien mit zusammen sechs Kindern.

Sie kamen mit einem Taxi aus der Erstaufnahmestation in Gießen. Manche haben eine monatelange Flucht auch aus Somalia, Afghanistan und Russland hinter sich. Auch eine schwangere Frau war froh, sich in einer sicheren und geschützten Umgebung endlich von den Strapazen ausruhen zu können.

Sozialarbeiterinnen des Caritasverbandes nahmen die Flüchtlinge in Empfang, gaben ihnen die wichtigsten Informationen, damit sie sich in der neuen Umgebung zurechtfinden können. Während die Eltern noch Taschen auspackten, erkundeten die Kinder im Alter von zwei bis 16 Jahren schon einmal das ehemalige Schulgelände, das ihnen viele Möglichkeiten zum Spielen und Bewegen bietet.

Den Flüchtlingen steht auch jetzt noch ein langer Weg bevor: Heute müssen sich die Asylbewerber beim Sozialamt melden, wo sie auch das Geld für den nächsten Monat bekommen. Davon müssen sie ihre Lebensmittel kaufen. Jede Familie beziehungsweise jeder Bewohner kocht in der Gemeinschaftsküche selbst. Die Einrichtung stellt Geschirr, Besteck und die nötigen Küchenutensilien.

Sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden wird auch deshalb nicht leicht, weil keiner der Neuankömmlinge Deutsch spricht. Lediglich eine Frau aus Russland beherrscht ein paar Brocken Englisch. Doch auch hier gibt es, wie auch bei den Behördengängen, Hilfestellung in Form von Deutschunterricht.

Nach ihrem ersten Eindruck seien die Flüchtlinge so weit wohlauf, sagt eine Sozialarbeiterin. Sie weiß aber auch, dass viele erst nach einer Eingewöhnungszeit beginnen, von Verfolgung, Unterdrückung und Fluchttraumata zu erzählen: „Viele sind verängstigt und zunächst misstrauisch.“

So zogen sich die Asylbewerber zunächst in die ihnen zugewiesenen Zimmer zurück, um zur Ruhe zu kommen. Wie lange dies ihr Zuhause auf Zeit sein wird, kann heute noch niemand sagen. In der Regel wohnen die Flüchtlinge so lange in der Gemeinschaftsunterkunft, bis sie Asyl bekommen oder wieder abgeschoben werden. In manchen Fällen können Familien bereits vorher in Wohnungen umziehen.

In diesem Jahr rechnet die Stadt Kassel nach den Vorgaben des Landes mit 412 Flüchtlingen. Im vergangenen Jahr wurden der Stadt 249 Asylbewerber zugewiesen. Die meisten kommen aus Serbien, der Russischen Förderation, Syrien, Mazedonien und Afghanistan. Derzeit leben 495 Asylbewerber in Kassel. Für den Lebensunterhalt der Asylbewerber erstattet das Land eine monatliche Pauschale von 562,22 Euro pro Person. Die tatsächlichen Kosten sind laut Hessischem Städtetag aber höher. Hinzu komme, dass die Aufwendungen für die Krankenhilfe überwiegend nicht erstattet würden. (hei)

Von Martina Heise-Thonicke

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