Keine Plage in Kassel

Atemlos in den Schacht: Auf Rattensuche mit Kasselwasser

Kassel. Auge in Auge mit einer Ratte – kommt es zu dieser Situation, „bin ich schneller weg als das Tier“, sagt Kanalbetriebsarbeiter Andreas Springer. Der 48-Jährige ekelt sich wie viele andere Menschen vor den Nagern. Allerdings gehört die Kontrolle von Kanälen mit zu seinen Aufgaben beim städtischen Eigenbetrieb Kasselwasser.

Eine Plage wie in anderen Städten gibt es in Kassel nicht, sagt Karsten Köhler, Sprecher von Kasselwasser.

„Wir sehen die Ratten nur sehr selten“, sagt Springer, der seit 1997 für den städtischen Eigenbetrieb arbeitet. 830 Kilometer lang ist das Kasseler Abwassernetz. 20.000 Kanaldeckel gibt es in Kassel. Während eines Jahres kontrolliert Springer mit seinen Kollegen jeden darunterliegenden Schacht – beispielsweise, um den Kanal von Sand und anderen Ablagerungen zu reinigen. Dabei wird auch geschaut, ob sich Hinweise auf die Wanderratte finden lassen.

„Da unten sieht man die Rattenködel“, sagt Nickel und leuchtet mit der Lampe in den Schacht, der sich in der Nähe des Campingplatzes Giesewiesen befindet. Zahlen oder Schätzungen, wie viele der Nager sich in den Kasseler Unterwelten befinden, hat Kasselwasser nicht. Schaut man in die Berichterstattung über Ratten in anderen Städten, wird davon ausgegangen, dass es eine Ratte pro Einwohner gibt. „Das trifft für Kassel aber nicht zu“, sagt Karsten Köhler.

Bis zu 14.000 Euro gibt der Betrieb für die Bekämpfung der Schadnager aus. In dieser Summe sind die Arbeitskraft der Mitarbeiter und Materialkosten wie die tödlichen Köder enthalten. Im Vergleich mit anderen Städten sei dieser Betrag sehr niedrig, sagt Köhler. In Kassel gebe es auch deswegen nicht so viele der Tiere, weil Essensabfälle nicht so häufig im Klo landeten.

Werden Hinweise auf Ratten gefunden, wird ein Köder ausgelegt. Denn der städtische Eigenbetrieb ist von der Stadt mit der Bekämpfung der Tiere beauftragt. „Vor allem machen wir das aber zum Schutz unserer Mitarbeiter, die die Kanäle kontrollieren“, sagt Köhler. Schließlich seien die Ratten Überträger von Krankheiten.

Dann wird ein Köder ausgelegt. Verwendet wird ein Mittel namens „Ratron“, das aber nur in geschlossenen Systemen ausgelegt werden darf. Bei Bachläufen müsste extra ein Schädlingsbekämpfer beauftragt werden. Der Köder, an dem die Ratten nagen, wirkt laut des Herstellers dann durch die Hemmung der Blutgerinnung. Kurz gesagt: Die Ratten verbluten innerlich. Häufig wirkt das Gift nicht nach dem ersten Anknabbern. Ratten seien sehr schlau, wenn eine Ratte nach dem Fressen des Köders sterbe, würden die anderen den Köder zukünftig meiden, sagt Köhler. Die Tiere würden übrigens nicht, wie viele Menschen annehmen, in den Kanälen leben. „Das sind nur die Autobahnen für die Tiere“, sagt Köhler.

Und eine Ratte in der Toilette haben die Kanalarbeiter auch noch nie erlebt. „Das sind Märchen“, sagt Köhler.

Von Max Holscher

Rubriklistenbild: © Holscher

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