29-Jähriger misshandelte Ex-Freundin vor jungem Kind: Bewährungsstrafe

Attacke aus Frust über Trennung

Kassel. Etwas unbeholfen stelzte sich der Angeklagte durch sein Geständnis. „Ich erkenne das an“, sagte der 29-Jährige gleich nach Verlesung der Anklageschrift. „Das ist so eingetreten an diesem Abend.“ Er hätte auch sagen können: Ich habe so eingetreten. Auf seine Ex-Freundin nämlich.

Vor fast genau einem Jahr hat er die heute 26-jährige Mutter seiner beiden Kinder übel misshandelt und gedemütigt. Aus Frust, wie er zu erklären versuchte, über die Trennung drei Wochen zuvor.

Wegen Körperverletzung und sexueller Nötigung verurteilte ihn das Kasseler Amtsgericht am Dienstag zu einer Bewährungsstrafe von anderthalb Jahren – und blieb damit exakt in der Mitte von dem, was Staatsanwaltschaft einerseits und Verteidigung andererseits gefordert hatten. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Was sich an jenem Oktoberabend 2011 in der Wohnung des Nicht-mehr-Paars abgespielt hatte, nannte Staatsanwalt Niels Hauth eine „Kurzschlussreaktion“. Aber auch eine „Machtdemonstration auf sexueller Basis“.

Die junge Frau, die trotz der Trennung noch mit ihrem Ex-Freund und den Kindern unter einem Dach lebte, kam von einem Besuch bei Nachbarn zurück und wurde von dem Angeklagten sofort rüde attackiert.

„Du willst mich wohl verarschen!“, schrie er und schlug und trat auf sie ein. Und dann griff er der Frau mit den Worten „Ist es das, was du willst?“ auch noch brutal zwischen die Beine. Selbst als der kleine Sohn von den Schmerzensschreien seiner Mutter erwachte, hörte der Angeklagte nicht auf. Und warum dieser Gewaltausbruch? Eine „aufgeheizte Stimmung“ habe damals zwischen ihnen geherrscht, sagte der 29-Jährige. Er sei nicht damit zurechtgekommen, dass sie sich weiter die Wohnung teilten. Und dann habe ihn die 26-Jährige am Vortag noch „provoziert“ – indem sie, statt zu arbeiten, wie sie eigentlich behauptet habe, den Abend mit seinem besten Freund verbracht habe.

Dass seine ehemalige Lebensgefährtin das alles etwas anders geschildert hätte, ist leicht vorzustellen. Doch dazu kam es nicht: Angesichts des vorbehaltlosen Geständnisses verzichtete das Gericht auf die Vernehmung der jungen Frau, die bei der Tat Prellungen und Blutergüsse davongetragen hatte. Die sich mit ihrem Ex-Freund danach aber zumindest so weit wieder vertrug, dass Absprachen über die Sorge für die gemeinsamen Kinder möglich sind.

Er habe ihr die Wohnung überlassen und sich für die Misshandlungen entschuldigt, sagte der 29-Jährige. Und sie habe die Entschuldigung angenommen. Auch vor Gericht beteuerte der Mann noch einmal, wie leid ihm die Ereignisse jenes Abends täten. Was ihm allerdings wieder etwas unbeholfen geriet: „Das war eine ziemlich dumme Aktion von mir“, sagte er. „Ich bereue das zutiefst definitiv.“

Von Joachim F. Tornau

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