Besitzer fordern Maulkorb-Pflicht

Terrier wird in Kassel von freilaufendem Schäferhund totgebissen

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Trauern um Yorkshire Terrier Rudi: Anna und Andreas Grün. Auf Anna Grüns Schoß sitzt noch Maltesermischling Bruno.

Kassel. Schon wieder ein gefährlicher Vorfall mit Hunden in Kassel: Im Stadtteil Waldau ist ein Terrier von einem nicht angeleinten Schäferhund getötet worden. Ein zweiter Hund überlebte.

Andreas Grün ist immer noch ganz aufgewühlt: traurig, enttäuscht, wütend – alles zusammen. Und er will die Geschichte nicht nur erzählen, weil sie ihn selbst sehr berührt, sondern er will damit etwas erreichen: „Ich will, dass so etwas nicht mehr passiert: dass Hunde ab einer gewissen Größe an die Leine kommen und sie einen Maulkorb erhalten, wenn sie Gassi geführt werden.“

Seine Geschichte ereignete sich am Sonntag vergangener Woche. Seine Frau Anna wollte die erste Runde des Tages mit den beiden Hunden gehen: mit Rudi, dem sieben Jahre alten Yorkshire Terrier, und mit Bruno, dem vier Jahre alten Maltesermischling. Sie habe kurz nach sieben die Wohnung in Waldau verlassen, wenig später sei es dann auf einem Gehweg am Ortsrand zu dem folgenschweren Zwischenfall gekommen: Aus dem angrenzenden Schrebergarten seien drei große Schäferhundmischlinge auf Rudi und Bruno losgegangen.

Andreas Grüns Frau sei es noch gelungen, den angeleinten Bruno zu schnappen und auf den Arm zu nehmen. Der nicht angeleinte Rudi aber hätte sich auf den Rücken gelegt und eine Unterwürfigkeitshaltung eingenommen. Es habe ihm nichts geholfen. Rudi sei gebissen worden und dann tot auf der Wiese gelegen.

Es habe einige Zeit gedauert, bis die Halterin der Hunde um die Ecke gekommen sei. Sie habe ihre Tiere frei laufen lassen und sie dann zurück in den Schrebergarten gebracht. Dann sei sie zum Ort des Geschehens zurückgekehrt. Seine Frau habe ihn gerufen, berichtet Andreas Grün. Er habe schließlich die Polizei alarmiert. Deren Sprecher Matthias Mänz bestätigt den Vorfall an jenem 26. August. Eine Streife habe den Fall aufgenommen, bei dem ein Schäferhund-Hovawart-Mischling einer 57 Jahre alten Frau einen Yorkshire Terrier getötet hat. Die Polizei habe dann das Ordnungsamt als Gefahrenabwehr- und Verfolgungsbehörde eingeschaltet.

Ein Andenken an Rudi: Ein Bild des Hundes und die Urne mit dessen Asche steht im Wohnzimmer der Grüns.

Andreas Grün reicht das aber nicht – aus einem einfachen Grund: „Sie wissen gar nicht, was bei uns zu Hause los ist. Wir haben zwei Kinder, die das nicht fassen können und sehr traurig sind. Wir sind alle geschockt.“ Rudi habe immer dazugehört, seit er als Welpe zu den Grüns gekommen sei. Auch Bruno, der Maltesermischling, trauere.

Für Andreas Grün hätte der Tod seines Yorkshire Terriers verhindert werden können. Er sagt: „Jeder Hund ab einer gewissen Größe gehört an die Leine. Und wenn jeder einen Maulkorb hätte, während er draußen rum läuft, würde nichts passieren. Und die Hunde würden trotzdem alles machen können.“

Der 38 Jahre alte Optiker sieht vor allem die Halter großer Hunde in der Pflicht: „Viele brüsten sich mit ihrem Tier und finden es toll, wenn sie zeigen können, dass sie alles im Griff haben, selbst wenn der Hund nicht angeleint ist. Aber das ist eben nicht immer der Fall.“ Das hat er jetzt schmerzlich erfahren müssen. „Die drei großen Hunde haben einfach auch ein Rudelverhalten an den Tag gelegt.“

Yorkshire Terrier Rudi ist mittlerweile eingeäschert worden. Die Urne mit seiner Asche steht im Wohnzimmer der Grüns, damit die Kinder noch ein Andenken haben. Die Halterin der drei großen Hunde habe sich kurz entschuldigt, für sie sei der Fall dann aber erledigt gewesen.

Dazu interessant: In Kassel hatte ein Dobermann-Mix unlängst zum zweiten Mal Kinder angegriffen - als "Kampfhund" gilt seine Rasse allerdings nicht. Über gefährliche Hunde und das Versagen der Rasseliste.

Hunde-Attacke: Wie es rechtlich aussieht

Wenn ein Hund einen anderen Hund zu Tode beißt, dann hat das in der Regel für den Halter des Hundes, der den anderen tötet, keine strafrechtlichen Folgen, wie Polizeisprecher Matthias Mänz sagt. Da Tiere juristisch wie Sachen behandelt werden, handelt es sich bei der Tötung eines Hundes um Sachbeschädigung. Wenn der Halter seinen Hund nicht anstachelt, einen anderen Hund zu attackieren, liegt keine vorsätzliche, sondern eine fahrlässige Sachbeschädigung vor. Da diese aber nicht strafbar ist, hat der Halter rein strafrechtlich nichts zu befürchten. Im vorliegenden Fall wird also nicht gegen die Halterin des Schäferhund-Hovawart-Mischlings ermittelt. 

Davon zu unterscheiden sind zivilrechtliche Ansprüche. Auch ist die Frage, inwiefern das Ordnungsamt als Gefahrenabwehr- und Verfolgungsbehörde tätig wird. Die Stadt Kassel teilte dazu mit: „Der Halterin des Schäferhund-Mischlings wird zunächst eine Anlein- und Maulkorbpflicht für ihren Hund auferlegt. Diese Maßnahme bleibt zunächst solange bestehen, bis geklärt ist, wie es zu dem Vorfall kam. Zur Klärung des Sachverhaltes müssen zunächst mögliche Augenzeugen ermittelt und angehört werden. Gleichzeitig wird der Hund in Augenschein genommen werden. Eventuell weitergehende Maßnahmen können erst ergriffen werden, wenn die näheren Einzelheiten und Umstände des Vorfalls feststehen.“

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