20-Jähriger des versuchten Totschlags angeklagt

Prozess nach Attacke mit Messer und Tischbeinen

Kassel. Der heftigste Teil der Anklagen lautet auf versuchten Totschlag: Im Oktober 2010 soll ein heute 20-jähriger Kasseler einen heute 49-jährigen Kasseler in dessen Wohnung mit einem Messer attackiert haben.

Kurz zuvor, so die Anklageschrift, soll er den Älteren heftig zusammengeschlagen haben - gemeinsam mit zwei Unbekannten und einem 18-Jährigen, der sich ebenfalls seit Dienstag vor dem Landgericht verantworten muss.

Ungewöhnlich an dem Fall ist die Rolle des Geschädigten. Denn auch gegen den 49-Jährigen hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. Sie wirft ihm vor, den jüngeren Bruder des 20-Jährigen sexuell genötigt zu haben. Auch versuchte Vergewaltigung des Jungen wird ihm vorgeworfen.

Schon 2009 soll all das gewesen sein. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft liefen spätestens im Juni 2010. Die Anklageschrift war sieben Tage nach der Messerattacke fertig. Vor Gericht verhandelt wurde die Sache bisher noch nicht.

Liste von Anklagen

Gegen den 20-Jährigen haben sich indes seit Oktober 2010 noch eine ganze Reihe von Anklagen angesammelt: Im Dezember jenes Jahres soll er an einer Tankstelle einem anderen Mann eine Kopfnuss verpasst und ihn in den Brustkorb getreten haben. Ein Zeuge will gehört haben, wie er sagte: „Ich hab’ eh nichts mehr zu verlieren.“

Ein Jahr später soll der 20-Jährige eine Frau, mit der er im Internet angebandelt hatte, bestohlen und sie dann per E-Mail wüst bedroht haben. „Du bist tot“ und „Ich fick’ dich tot“, verliest Richter Volker Mütze aus dem sichergestellten elektronischen Text. Wie das habe ankommen sollen, will er wissen. „Weiß ich nicht“, sagt der 20-Jährige. Er sagt das ziemlich oft, wenn es um seine Motive geht.

Schweigen vor Gericht

Zum Vorwurf des versuchten Totschlags schweigt der junge Mann gestern komplett - Verteidiger Marcus Mauermann hat ihm das geraten. In jener Oktobernacht vor eineinhalb Jahren allerdings hatte sich der 20-Jährige in einem Notruf selbst bezichtigt. Der Polizei soll er gesagt haben, er habe gewollt, dass der Attackierte „verreckt“ - und das dann widerrufen haben.

Sein 18-jähriger Kumpel gestand gestern, zu fünft hätten sie damals in der Wohnung des 49-Jährigen getrunken. Der 20-Jährige habe die Sache mit dem Bruder zur Sprache gebracht und schließlich zugeschlagen. Er selbst habe eine Glasplatte nach dem Mann geworfen und ihn mit einem Tischbein traktiert. Warum, erklärt er nicht. Er wirkt, als falle es ihm schwer, komplexere Gedanken zu sortieren

Der Geschädigte soll bei der Attacke über drei Promille Alkohol im Blut gehabt haben. „Dieser ganze Tag ist weg“, versichert er als Zeuge. Die Angeklagten hätten sich bei ihm entschuldigt, als er aus dem Krankenhaus kam. Fragen will er nicht gestellt haben.

Von Katja Schmidt

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