Kasseler Beamte mussten bei Festnahme um ihr Leben fürchten

Kassel: Attacken auf Polizisten werden immer brutaler

Kassel. Polizeibeamte in Kassel sind immer öfter massiver Gewalt ausgesetzt. Zwar habe die Anzahl der Fälle nicht zugenommen, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch, die Intensität der Gewalt gegenüber Polizisten habe sich allerdings extrem gesteigert.

Verstauchte sich früher ein Beamter bei einem Gerangel den Finger, muss er heute mit einer gebrochenen Hand rechnen, sagt Jungnitsch.

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„Die zunehmende Aggressivität ist dramatisch“, sagt Polizeioberrat Karl-Heinz Wolf, Leiter des Reviers Mitte. Erschüttert ist Wolf über einen Vorfall vom Samstag, 11. Juni. Bei einem Polizeieinsatz auf der Friedrich-Ebert-Straße mussten zwei Beamte, 34 und 40 Jahre alt, die Verdächtige nach einer Straftat festnehmen wollten, um ihr Leben fürchten.

Mit geballten Fäusten sei ein 19-Jähriger auf sie zugekommen und habe mit den Worten gedroht: „Ich mache euch kalt, ich mache euch platt“, erzählt ein 40-jähriger Polizeioberkommissar. Die Beamten setzten Pfefferspray ein. Als der 40-jährige Polizeioberkommissar den 19-Jährigen überwältigt hatte, dieser am Boden lag und er ihm Handschellen anlegen wollte, wurde der Polizist von dem 25-jährigen Komplizen ins Gesicht getreten. Der Beamte hatte großes Glück. Sein Kiefer wurde bei dem Angriff nur geprellt und seine Lippe platzte. „Wer einen anderen Menschen ins Gesicht tritt, der nimmt in Kauf, ihn schwer zu verletzen oder gar zu töten“, sagt Revierleiter Wolf.

Bei den Angreifern handele es sich um deutsche Staatsbürger mit ausländischen Wurzeln. Beide seien muslimischen Glaubens. Junge Muslime und Russlanddeutsche, die in Konflikt mit dem Gesetz gerieten, hätten keinerlei Respekt mehr vor der Polizei. „Die nehmen uns nicht mehr ernst“, sagt der 40-jährige Polizeioberkommissar. „Unsere rechtsstaatlichen Prinzipien legen viele von denen als Schwäche aus.“

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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