23-jähriger Kasseler soll in Entziehungsanstalt untergebracht werden

Attacken mit Pumpe und Messer

Kassel. „Ich brauche unbedingt ’ne schöne Wohnung - was Anständiges“, sagt der Angeklagte, als der Richter ihn fragt, was er aus seinem Leben machen will. Der Kasseler ist 23 Jahre alt. Er redet auch über eine Ausbildung. Aber das schöne Wohnen ist ihm besonders wichtig - und hat mit seinem bisherigen Leben so gar nichts zu tun.

Derzeit sitzt der junge Mann in Haft. Zuvor hatte er in einem Haus voller Trinker in Kassel-Forstfeld gelebt. Weil er dort etliche Nachbarn attackierte und verletzt hat und schließlich mit einem Messer auf einen Mann aus einem Nachbarhaus losging, verurteilte ihn das Kasseler Landgericht zu einer weiteren Freiheitsstrafe - und ordnete zudem seine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

Die Strafkammer hielt den 23-Jährigen der vorsätzlichen, der gefährlichen und der versuchten gefährlichen Körperverletzung sowie der Bedrohung und Beleidigung für schuldig. Sie ging davon aus, dass er bei allen Taten erheblich berauscht und vermindert schuldfähig war. Unter Einbeziehung eines früheren Urteils - es ging um Raub von Fladenbroten - verurteilte sie den Kasseler zu insgesamt drei Jahren und zwei Monaten Haft.

Taten weitgehend eingeräumt

Der junge Mann hatte die ihm zur Last gelegten Taten weitgehend eingeräumt. Etwa diese: Einmal habe er nachts gehört, wie jemand auf dem Weg zur Toilette - es gab nur eine für alle im Haus - Luft aus seinem Fahrrad gelassen habe: „Da war ich ein bisschen sauer.“ Als der Nachbar - ein Mann, bei dem er öfter ein Essen bekam - von der Toilette zurückkehrte, habe er ihm mit einer Luftpumpe auf den Kopf geschlagen. Richtig sei das nicht gewesen.

Die Polizei war öfter im Haus. Ein Blutalkoholpegel von „drei Promille und ein bisschen“ sei dort Standard gewesen, sagte ein Polizist als Zeuge. Offenbar wohnt aber jetzt keiner der Beteiligten mehr dort. Das sagte ein Nachbar, der vom Angeklagten mit einem Besenstiel malträtiert und auch einmal eine Treppe hinuntergeschubst worden war. Grund genug für einen Strafantrag hatte er nicht gesehen.

Ein älterer Zeuge aus der entfernteren Nachbarschaft beschrieb den 23-Jährigen als normalerweise „lieb“. An einem Tag im vorigen April aber habe er den jungen Mann ermahnt, nicht aus dem Fenster auf ein Auto zu spucken. Kurz darauf sei der mit einem Messer angelaufen gekommen. Der Sohn des Zeugen ging dazwischen, konnte den Hieb abwehren. „Das hätte auch nach hinten losgehen können“, sagte er. Der Angeklagte sei „nicht bei Sinnen gewesen“.

Ein Nervenarzt diagnostizierte dem Angeklagten gestern eine symptomarme Psychose. Für die Taten habe diese aber keine Rolle gespielt - sondern der Alkohol. Der junge Mann trinkt nach eigenen Angaben, seit er 14 Jahre alt ist.

Von Katja Schmidt

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