Gruppe um Kai Boeddinghaus fordert IHK-Reformen und will in Vollversammlung

Streben im Januar in die Vollversammlung: die IHK-Kritiker (von links) Paul Jörns, Rainer Sander, Andreas Ernst, Robert Aschoff, Kai Boeddinghaus und Hans-Georg Greger. Foto: Koch

Kassel. Die Arbeit der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg dürfte in den nächsten Jahren schwieriger, und die Besetzung der Vollversammlung und Regionalausschüsse bunter werden.

Denn der langjährige und umtriebige Kasseler Kammerkritiker Kai Boeddinghaus hat eine etwa 20-köpfige Gruppe von Selbstständigen und Geschäftsleuten um sich geschart, die im Januar für die Vollversammlung – das oberste Organ der IHK – kandidieren. Sie haben sich in der regionalen, überparteilichen Initiative „Kammer ohne Zwang“ (KOZ) zusammengetan, die vom Bundesverband für freie Kammern (bffk) unterstützt wird. bffk-Bundesgeschäftsführer ist Boeddinghaus.

Unter den bekennenden Kammerkritikern befinden sich unter anderem die Kasseler Kaufleute Robert Aschoff (Edeka) und Hans-Georg Greger (Bio-Markt), der Frielendorfer Unternehmensberater Rainer Sander, der Bad Arolser Händler Paul Jörns und der Versicherungsmakler Andreas Ernst (Kassel).

Sie wollen mehr Transparenz und Demokratie in den Gremien und lehnen den bestehenden Kammerzwang kategorisch ab. Außerdem fordern sie eine Beitragssenkung. „Die IHK sollte ihre Mitglieder mit Leistung überzeugen, statt Zwangsbeiträge zu erheben“, sagte Aschoff. Und sein Kollege Greger meint: „Der Zwang nervt uns alle. Wir wollen Mitglieder bleiben, aber auf Freiwilligkeitsbasis.“ Die Arbeit und Mittelverwendung müsse besser kontrolliert werden. In der Finanzkrise habe die IHK mit riskanten Anlagen ein Vermögen verzockt. „Das war unser Geld“, so Greger.

Auch Ernst und Jörns wollen die IHK nicht abschaffen, beklagen aber, dass sie seit Jahren Beiträge zahlen, ohne eine Gegenleistung zu erhalten. Jörns fordert statt Beiträgen leistungsbezogene Gebühren.

IHK lehnt Vorschläge ab

Die IHK weist diese Vorwürfe und Vorschläge zurück. Die gesetzliche Mitgliedschaft sei das Fundament dafür, dass die IHK alle Gewerbetreibenden – vom Kioskbetreiber bis zum Großunternehmen – gleichberechtigt vertreten könne und nicht nur einzelne Branchen oder Konzerne. Die IHK setze sich für Infrastrukturprojekte, niedrige Steuern und Bürokratie-Abbau ein, engagiere sich stark in der Berufsausbildung und übernehme hier staatliche Aufgaben – etwa bei der Prüfungsabnahme.

Die Vollversammlung, das Parlament der regionalen Wirtschaft, wird alle fünf Jahre gewählt. Sie hat 77 Mitglieder aus allen Branchen. Sie fällt wichtige Entscheidungen und bestimmt den Kammerpräsidenten. Das ist aktuell Dr. Martin Viessmann, der geschäftsführende Gesellschafter des gleichnamigen Heiztechnik-Herstellers in Allendorf. Die sechs Regionalausschüsse bilden die Regionen ab und arbeiten der Vollversammlung zu.

Von José Pinto

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