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Auch da war Kassel spitze: Pionierleistungen von Kasselern

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Von: Bastian Ludwig

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Beim 25-jährigen Bestehen des Film-Shops: Eckhard Baum mit Mitarbeiterin Monika Paul.
Beim 25-jährigen Bestehen des Film-Shops: Eckhard Baum mit Mitarbeiterin Monika Paul. © Archivfoto: Andreas Fischer

Wer hat`s erfunden? Die Kasseler! Schön häufig wurde in der nordhessischen Großstadt Neues ausprobiert. Hier ein Überblick über weitere Pionierleistungen made in Kassel.

Kassel – In der Stadt Kassel waren im Laufe der Jahrhunderte schon viele Pioniere aktiv. Kürzlich hatten wir in unserer Zeitung über Erfindungen, Projekte und Bauwerke aus der Stadtgeschichte berichtet, die bei ihrer Entstehung deutschlandweit, europaweit und zum Teil sogar weltweit einzigartig waren. Die Bandbreite reichte vom ersten Dampfschiff der Welt über die erste deutsche Fußgängerzone, die modernste Verkehrskreuzung Europas bis hin zu Deutschlands erster Straßenbahn, die aus eigener Kraft fuhr, also ohne vorgespannte Pferde. Nun haben uns HNA-Leser auf weitere Pionierleistungen aufmerksam gemacht. Diese stellen wir hier vor:

Erste 5-Tage-Schule

Als die Carl-Schomburg-Schule (CSS) 1957 im Wesertor eröffnete, war in unserer Zeitung noch von „der Mittelschule für Knaben und Mädchen“ zu lesen. Was heute so altbacken klingt, war das Modernste, was die Kasseler Schullandschaft seinerzeit zu bieten hatte und damit für Schlagzeilen weit über die Stadtgrenzen hinaus sorgte.

Denn die CSS, die sich damals noch an der Schützenstraße befand, war die erste Fünf-Tage-Schule in Deutschland. Während überall sonst die Schulen noch an den Samstagen besucht werden mussten, waren die Wochenenden an der CSS frei.

Diese Schule war wegweisend: Die Carl-Schomburg-Schule, damals noch an der Schützenstraße, war die erste deutsche Schule ohne Samstagsunterricht. Dafür gab es nachmittags Unterricht, eine Mensa und AGs.
Diese Schule war wegweisend: Die Carl-Schomburg-Schule, damals noch an der Schützenstraße, war die erste deutsche Schule ohne Samstagsunterricht. Dafür gab es nachmittags Unterricht, eine Mensa und AGs. © HNA-Archiv

Die fehlende Unterrichtszeit wurde auf die Nachmittage unter der Woche verteilt, und es wurden ein Mittagessen sowie AGs angeboten. Dies war ein absolutes Novum in der bundesrepublikanischen Bildungslandschaft. Bis in die 70er-Jahre war der samstägliche Schulbesuch fast überall in Deutschland die Regel. Erst 1986 zog die CSS – die heute eine kooperative Gesamtschule ist – in einen Neubau an der Josephstraße.

Der ehemalige Schüler und Schulsprecher Hans-Günter Franke aus Fuldabrück hat uns auf diese Kasseler Besonderheit hingewiesen.

Erste Videothek

Die Eröffnung sollte ihm später einen Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde bescheren: 1975 hat Eckhard Baum mit dem „Film-Shop“ die älteste Videothek der Welt in Kassel eröffnet. Nach kurzer Zeit im Wolfsanger, verlagerte Baum sein Verleihgeschäft schließlich in die Erzberger Straße 12. Sein Filmbestand sollte im Laufe der Jahre auf 13 000 Titel anwachsen – die Palette reichte von Klassikern, über Raritäten bis hin zu Blockbustern. Alles wurde mit Karteikarten und Baums einzigartigem Filmgedächtnis verwaltet. Einen Computer gab es in dem Kultladen nie.

2017 übernahm der Verein Randfilm den Film-Shop. HNA-Leser Thomas Gräwingholt hat an diese Pionierleistung erinnert.

Erste Solartankstelle

Im Bereich Solarenergie waren die Kasseler schon häufig vorne mit dabei. So wurde am 2. Mai 1990 auf Initiative der „Arbeitsgemeinschaft Solartechnik Kassel“ mit ihrem Vorsitzenden Heino Kirchhof die erste öffentliche Solartankstelle Deutschlands auf dem Karlsplatz eingeweiht.

Bis heute gibt es die Solartankstelle am Karlsplatz: Die Ladestation wurde aber modernisiert.
Bis heute gibt es die Solartankstelle am Karlsplatz: Die Ladestation wurde aber modernisiert. © Bastian Ludwig

„Vertreter der Stadt sowie der Städtischen Werke hatten eingewilligt, dass dieses neuartige Objekt auf einem zentralen Innenstadtplatz aufgestellt, der gewonnene Strom ins öffentliche Netz eingespeist und dort auch wieder entnommen werden durfte“, erinnert sich HNA-Leser Roland Gerth.

Damals waren Elektroautos absolute Exoten auf Kassels Straßen und nur was für Technikfans und Bastler. Die 30 000 DM teure Tankstelle war zum Großteil von den Städtischen Werken finanziert worden.

Erste Diskothek?

Bei der Geschichte der Clubs liegt noch so einiges im (Disko-)nebel. So gibt es eine Debatte um die Frage, welche Stadt sich mit der ersten Diskothek Deutschlands schmücken durfte: Aachen, Osnabrück und Kassel werden in verschiedenen Publikationen hoch gehandelt.

Vor Jahren legte der Chef noch selbst auf: Klaus Richter im Club 21.
Vor Jahren legte der Chef noch selbst auf: Klaus Richter im Club 21. © privat

Die Nordhessen halten für gewöhnlich den früheren Kasseler Club 21 für die erste Diskothek des Landes oder gar der Welt. Unbestritten ist: Er wurde 1959 von Klaus Richter im Keller eines Autohauses am Friedrichsplatz eröffnet. 1966 folgte der Umzug an die Friedrich-Ebert-Straße. 2002 kam nach gut 40 Jahren das Aus für den Club 21. Richter starb vergangenes Jahr. (Bastian Ludwig)

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