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Im Kreis Kassel sind kompostierbare Beutel für Biomüll erlaubt, in der Stadt nicht: Auch eine Frage der Philosophie

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Biomüll: An heißen Tagen riecht die Tonne besonders unangenehm. Der Landkreis gibt Tipps.
Biomüll: An heißen Tagen riecht die Tonne besonders unangenehm. © privat

Im Landkreis darf Biomüll in kompostierbaren Beuteln entsorgt werden, in der Stadt Kassel ist das nicht gestattet.

Kassel – Sie hat die Beutel bei einer Freundin im Landkreis Kassel zum ersten Mal gesehen und war begeistert. Susanne Kusch, die im Kasseler Auefeld lebt, wollte solche Beutel auch für ihre Biotonne verwenden. Wenn die Tonne im Sommer mit einem kompostierbaren Beutel der Firma Biomat ausgekleidet sei, so Kusch, dann bleibe sie wesentlich sauberer.

Doch nachdem sich die Frau zehn Beutel mit einem Fassungsvermögen von jeweils 240 Liter besorgt hatte, machten ihr die Stadtreiniger einen Strich durch die Rechnung. Weil auf der Banderole der Bio-Beutel „Abfallentsorgung Kreis Kassel“ steht, rief Susanne Kusch vorsichtshalber noch mal bei den Stadtreinigern an, um zu erfahren, ob sie die Biobeutel auch in der Stadt Kassel verwenden darf. Die Antwort lautete „Nein“.

Susanne Kusch will nun wissen, warum Menschen im Landkreis ihre Biotonne mit kompostierbaren Beuteln auskleiden dürfen, es den Menschen in der Stadt aber untersagt wird. Das habe mehrere Gründe, so Stefan Stremme von den Stadtreinigern. Erstens hätten die Stadtreiniger keine eigene Entsorgungsanlage für den Biomüll, sondern würden ihn weitergeben. Im Gegensatz zur Abfallentsorgung im Landkreis, wo eine Vergärungsanlage vorhanden sei, in der der biologische Abbau der kompostierbaren Beutel beschleunigt werde.

Der Zersetzungsprozess von kompostierbaren Beuteln betrage bis zu zwölf Wochen, im Kompostwerk verbleibe der Bioabfall meist aber nur vier bis fünf Wochen. Weiterhin würden die kompostierbaren Beutel auch nicht zu wertvollem Humus, sondern lediglich zu Wasser und CO² zersetzt. Sie müssten als Störstoff aufwendig aussortiert werden.

Der zweite Grund bestehe in der Philosophie der Stadtreiniger. Man wolle keine künstlich hergestellten Materialien in der Biotonne, die anschließend erst wieder abgebaut werden müssten. Bei den Stadtreinigern ziehe man Papiertüten oder alte Zeitungen vor. Stremme räumt ein, dass es unterschiedliche Expertenmeinungen über den Abbau von kompostierbaren Beuteln gebe. „Da scheiden sich die Geister.“

Ein weiterer wichtiger Grund sei, dass die Müllwerker bei der Entleerung der Biotonne nur schwer den Unterschied zwischen kompostierbaren und konventionellen Abfallbeuteln erkennen könnten. In vielen Fällen werde der Bioabfall aus der Küche in konventionellen Abfallbeuteln über die Biotonne entsorgt. Dies bedeute jedes Mal eine Verunreinigung und stelle einen Störstoff dar.

Bei der Abfallentsorgung im Landkreis hat man hingegen gute Erfahrungen mit den kompostierbaren Beuteln gemacht, so Harald Kühlborn, Sprecher des Landkreises. Die Beutel gibt es in drei Größen (10 Liter, 120 Liter und 240 Liter), und sie sind damit zum Auskleiden der Vorsortiergefäße und Biotonnen gedacht. Sie sind unter anderem in den Gemeindeverwaltungen des Landkreises erhältlich. Man habe die Erfahrung gemacht, dass durch die Beutel nicht nur die Hygiene in den Tonnen gesteigert werde, sondern die Verbraucher auch mehr Essensreste in den Biomüll geben würden. So wie es im Sinn der Mülltrennung auch sein sollte.

Das habe auch ein Versuch in Vellmar vor einigen Jahren gezeigt. Nachdem man dort an die Haushalte die kompostierbaren Beutel verteilt habe, seien 20 Prozent mehr Essensreste im Biomüll gelandet. Der Biomüll aus dem Landkreis landet in drei Kompostierungsanlagen in Hofgeismar, Fuldatal und Lohfelden. Hier entsteht daraus Biogas und zertifizierter Kompost. (use)

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