Autozulieferer Wegu stellt Teile für Luxusautos sowie Kotflügel für Lastwagen her

Auch Ferrari ist ein Kunde

Schwingungsdämpfer für Autos: Allein zwei Millionen für BMW und Daimler stellt Wegu jährlich her. Unser Foto zeigt Geschäftsführer Horst Zimmermann und Agnes Schmidt bei ihrer Arbeit. Fotos: Schachtschneider

kassel. Die Produkte aus dem Hause Wegu sind meist klein, unscheinbar und arbeiten im Verborgenen. Und doch sind sie unverzichtbar für den zeitgemäßen Fahrkomfort insbesondere im Premiumsegment. Denn die Schwingungsdämpfer und -tilger an Abgasanlagen, Lenkung und Antriebsstrang verhindern, dass lästige Geräusche und Vibrationen ins Fahrzeuginnere gelangen. Das hört sich zunächst einfach an, ist es aber nicht. Denn für jedes Modell und jeden Einsatzort müssen die Bauteile aus Metall und Gummi immer wieder neu erfunden werden. Form, Größe, Gewicht und Konstruktionen variieren je nach Schwingungsfrequenz.

Hierin und in der komplexen Fertigungstechnologie zur Zusammenführung derart unterschiedlicher Werkstoffe liegt die Kompetenz der Kasseler Komfortspezialisten. Und damit die Komponenten gelingen, bedarf es spezieller Silikone mit ganz besonderen spezifischen Eigenschaften, die Wegu mittlerweile in einer eigens gegründeten Tochter selbst produziert. „Damit kein Know-how abfließt“, wie Geschäftsführer Horst Zimmermann erklärt.

Der Erfolg gibt ihm und seinem Team recht. Zu den Kunden gehören nicht nur die deutschen Premium-Hersteller wie BMW und Daimler, die ausschließlich Schwingungsdämpfer von Wegu verwenden, sondern auch VW, Audi und Porsche. Und sogar Ferrari und Bugatti setzen auf Produkte aus dem Hause Wegu.

Aber der Gummi- und Kunststoffprofi kann noch viel mehr. In seinem zweiten großen Produktionsbereich entstehen Kotflügel für den schweren Mercedes-Benz-Lkw Actros mit einer speziellen und mehrfach ausgezeichneten Sprühnebelminimierung bei Regen und filigrane Pkw-Luftführungen für Motorräume sowie Schmutzfänger aus verschiedenen Kunststoffen. Bei Letzteren ist Wegu nach Angaben von Mitgeschäftsführer Guido Marenbach Marktführer in Europa. „Wir wollen nicht klagen“, antwortet er tiefstapelnd auf die Frage, wie die Geschäfte laufen. Denn allein im vergangenen Jahr steigerte das Traditionsunternehmen seinen Umsatz um fast 20 Prozent auf 72,1 Millionen Euro – der höchste Wert seit 20 Jahren. Und im ersten Halbjahr 2014 betrug das Wachstum elf Prozent.

Die Wegu-Produkte sind eben gefragt. Nach Angaben Zimmermanns gibt es dafür zwei Gründe: Zum einen sei Wegu in ausgewählten Nischen im wachsenden Premium-Segment aktiv, zum anderen profitiere man von der insgesamt guten Autokonjunktur – vor allem in der Ober- und Luxusklasse.

Das wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. Seit dem Verkauf an den Hamburger Finanzinvestor DMB-Deutsche Mittelstands Beteiligungen GmbH (früher Equitrust AG/ siehe auch Hintergrund) vor gut drei Jahren ist die Zahl der Beschäftigten um 70 auf aktuell 260 gestiegen. DMB hat – wie versprochen – kräftig in Gebäude und Maschinenpark investiert. Die Produktion ist hochmodern und effizient.

In unserer nächsten Folge geht es um einen Colt, mit dem nicht geschossen, sondern gegrillt wird.

Von José Pinto

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