Amtsgericht: 31-Jähriger wegen Drogenhandels zu Bewährungsstrafe verurteilt

Auch geplatzter Deal ist strafbar

Kassel. „Ich hatte kein Geld, mein Café lief schlecht, die Scheidung von meiner Frau stand an, deshalb hab ich es gemacht.“ Das war am Mittwoch die Begründung des 31-Jährigen auf der Anklagebank des Amtsgerichts für seinen Einstieg in das Drogengeschäft. Am Ende kam er mit einer Bewährungsstrafe davon.

Zwei Fälle warf ihm die Staatsanwaltschaft vor, einen räumte der Angeklagte gleich zu Beginn freimütig ein: Im Januar vergangenen Jahres sei ein heute 30-Jähriger in seinem Café in Kassel aufgetaucht, der ein Kilogramm Haschisch kaufen wollte.

Weil er selbst ab und zu etwas davon rauchte, hatte er Kontakte zu Dealern. 1800 Euro seien als Preis ausgemacht worden. Der Lieferant sei jedoch nur kurz aufgetaucht, um die Lage zu peilen, er habe dann befürchtet, dass die Polizei das Café beobachtet, und deshalb das Weite gesucht.

Den zweiten Vorwurf, er habe an den 30-Jährigen schon wenige Wochen zuvor 600 Gramm Haschisch verkauft, bestritt der Angeklagte vehement. „Ich habe ihm lediglich ein Mal zehn Gramm gegeben“, beteuerte er, mehr sei jedoch nicht passiert. Der 30-Jährige, der vor Kurzem vom Amtsgericht Eschwege wegen Drogenhandels zu drei Jahren verurteilt wurde und dagegen Berufung eingelegt hat, bestätigte jedoch, was in der Anklage stand: „Ich habe zunächst eine kleine Menge bei ihm zum Rauchen gekauft, dann habe ich 600 Gramm geholt.“ Er beschrieb detailliert, wie er mit seinem - ebenfalls als Zeugen geladenen - Fahrer und dem Angeklagten in dem Kasseler Café saß und dann der Lieferant angerufen wurde, der den Stoff auch brachte.

Vermittler für Geschäfte

Richter Klaus Döll hatte am Ende „keinerlei Zweifel“ daran, dass der Angeklagte in beiden Fällen den Vermittler für die Drogengeschäfte gespielt hat. Auch der vom Angeklagten eingeräumte geplatzte Deal sei als Handel mit Betäubungsmitteln einzustufen. Döll sah keine Anzeichen dafür, dass der Zeuge, der das Haschisch bestellt hatte, den Angeklagten zu Unrecht belastet haben könnte.

Das Gericht verurteilte den 31-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren, die zu drei Jahren auf Bewährung ausgesetzt werden. In dieser Zeit muss er sich unter die Obhut eines Bewährungshelfers begeben. Richter Döll hielt dem Angeklagten nicht nur zugute, dass er ein halbes Geständnis geliefert hat und nicht vorbestraft ist, er verwies auch darauf, dass er lediglich mit Haschisch und nicht mit harten Drogen gehandelt hat.

Freilich wollte er auch „klarmachen, dass man mit Haschisch kein Geld verdient, sondern eher verliert“. Deshalb ordnete er außer 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit eine Geldbuße von 800 Euro an, die der Angeklagte in monatlichen Raten an die Drogenhilfe Nordhessen zahlen muss. (pas)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.