Auch IhrPlatz ist pleite - drei Drogerien in und um Kassel betroffen

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IhrPlatz-Filiale am Hauptbahnhof: Der Schock über die Insolvenz sitzt den Mitarbeitern in den Knochen.

Kassel. Jetzt geht auch Schlecker-Tochter IhrPlatz in die Insolvenz. Die Drogerie-Kette reichte beim Amtsgericht Ulm einen Antrag ein, teilte ein Sprecher am Donnerstag mit. Betroffen in Kassel sind davon die IhrPlatz-Filialen am Hauptbahnhof und am Bahnhof Wilhelmshöhe, in Baunatal die Niederlassung am Marktplatz 11.

Vor Ort herrscht eisiges Schweigen, der Schock bei den Mitarbeitern sitzt tief. Die Filialleiter seien nicht da, man wolle keine Auskunft geben über die Anzahl der Mitarbeiter, die Größe der Filialen. „Nur so viel: Wir sitzen das aus“, macht sich eine Verkäuferin Mut. Einen Betriebsrat vor Ort gibt es nicht.

Mit Blick auf Deutschland seien rund 650 Filialen und 5800 Mitarbeiter betroffen, heißt es bei Schlecker. Am Montag hatte die Drogerie-Kette selbst Insolvenz angemeldet. IhrPlatz war zunächst außen vor geblieben.

Verdi begrüßt Gespräche

Doch die Pleite griff um sich. Ver.di-Sprecherin Erika Preuß, die in Nord- und Osthessen den Fachbereich Einzelhandel betreut, ist selbst erschrocken über die Nachricht. „Wir sind schon mal froh, dass der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz angekündigt hat, Gespräche mit dem Gesamtbetriebsrat und unserer Gewerkschaft zu führen“, sagt Preuß. Ziel von Ver.di sei es, das Gesprächsangebot in jedem Fall anzunehmen und alles dafür zu tun, um die Arbeitsplätze zu erhalten – in Kassel und Baunatal sind das schätzungsweise knapp 20.

Ob aber der Job-Erhalt möglich ist, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt kaum zu sagen. Sicher ist nur, dass sich IhrPlatz mit Hauptsitz in Osnabrück in großer Abhängigkeit von Schlecker befindet. Und so liegt es auf der Hand, dass die Tochter auch Teil der Neuordnung sein wird, „an deren Ziel der Erhalt des Gesamtunternehmens steht“, wie Geiwitz sagt.

Vorerst aber läuft alles normal weiter. In den IhrPlatz-Filialen in Kassel und Baunatal werden die Kunden weiterhin einkaufen können. Grund ist eine entsprechende Einigung zwischen Geiwitz, dem Schlecker-Management und dem wichtigsten Gläubiger, der Einkaufsgemeinschaft Markant.

„Nun geht alles seinen Gang“, so schätzt Erika Preuß die Lage ein. „Das Amtsgericht prüft den Insolvenzantrag, der Insolvenverwalter übernimmt die Geschäfte, prüft und verhandelt mit Gläubigern und Investoren, die Mitarbeiter erhalten derweil drei Monate lang Gehalt von der Arbeitsagentur.“ Erst dann entscheide sich, ob tatsächlich ein Insolvenzverfahren eröffnet werde – oder ob ein tragfähiger Sanierungsplan für Schlecker und IhrPlatz vorgelegt werden kann.

Von Boris Naumann

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