Auch die Kitas im Blick

Auch Kitas im Blick: Kirchengemeinden müssen Sparkurs umsetzen

+
Neue Wege: Das Gemeindehaus der Friedenskirche wird künftig auch als Bürgerzentrum im Vorderen Westen genutzt. Es ist damit Vorreiter für ähnliche Doppelnutzungen.

Kassel. Die Evangelische Landeskirche von Kurhessen-Waldeck will bis 2026 ein Viertel ihrer Pfarrstellen abbauen und auch in anderen kirchlichen Bereichen Stellen streichen. Die Kirchengemeinden werden dies kaum klaglos hinnehmen.

Im Zuge der ersten Sparwelle haben vier Gemeinden Widerspruch eingelegt oder Klage erhoben.

Um welche Gemeinden es sich dabei handelt, sagt Roland Kupski, Sprecher der Landeskirche, nicht. Die Widerspruchsverfahren seien meist auch nicht spektakulär. „Gelegentlich muss nur etwas geklärt werden.“ Im Zuge der Sparwelle werden Kirchengemeinden zusammengelegt. Gab es im Stadtkirchenkreis Kassel 2009 noch 25 Gemeinden mit 83.109 Menschen, so sind es nun 22 (80.079 Mitglieder). Im Kirchenkreis Kaufungen ist die Zahl mit 33 Gemeinden unverändert. Die Mitgliederzahl ist indes von 72.520 auf 69.919 gesunken.

Hintergrund des Sparkurses, bei dem auch die 17 Kitas der evangelischen Kirche in Kassel unter die Lupe genommen werden, ist der Mitgliederschwund. Pro Jahr verliert die Landeskirche 8745 Mitglieder, 2012 waren es sogar 9519. 1990 wurden zwischen Bad Karlshafen und Frankfurt noch 1,1 Millionen Mitglieder gezählt, nun sind es 885.000.

Der Mitgliederschwund von 1,3 Prozent pro Jahr sei vor allem dem Bevölkerungsrückgang geschuldet, sagt Kupski. Die 2000 Austritte jährlich seien vergleichsweise gering. In manchen Kreisen sei der demografische Wandel sichtbar: „Es gibt keine Kinder.“

Bis 2026 sollen 225 Pfarrstellen wegfallen, bis 2017 werden es 90 weniger sein als 2009. Bislang sind noch 775 Pfarrstellen besetzt. Welche Gemeinden in welcher Weise betroffen sein werden, ist offen.

Roland Kupski

Die Synode habe nur das Marschziel vorgegeben, sagt Kupski. „Das ist kein detaillierter Sparplan.“ In einem halben Jahr werde man mehr wissen. Der Zukunftsausschuss habe eine „Unmenge von Daten zusammengetragen“, aber es seien weitere Recherchen in den Gemeinden nötig. „Einige werden noch richtig Hausaufgaben machen müssen.“

Bis 2026 will die Landeskirche 30 Mio. Euro (25 Prozent) einsparen. Davon betroffen sind auch Verwaltung, Jugendarbeit und Kirchenmusik. Um das Ziel zu erreichen, stehen Pfarr- und Gemeindehäuser, Spezialseelsorge und Bildungsarbeit auf dem Prüfstand.

Der Stellenabbau macht eine stärkere Zusammenarbeit von Pfarrern und gemeindebezogenen Diensten erforderlich. Wie diese konkret aussehen könnte, darüber sollen sich die Kirchenvorstände Gedanken machen. „Es gibt Kirchengemeinden, die sind schon ganz weit“, sagt Kupski. Andere rieben sich noch die Augen. „Aber alle haben verstanden, worum es geht.“

Von Ellen Schwaab

Mehr zum Thema lesen Sie am Montag in der gedruckten Ausgabe.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.