Knappe Konserven sollen aufgefüllt werden: HNA-Blutspendeaktion startet am Montag

Prof. Dr. Martin Wolf, Chefarzt Klinik für Onkologie und Hämatologie am Klinikum
+
Prof. Dr. Martin Wolf, Chefarzt Klinik für Onkologie und Hämatologie am Klinikum

Am Montag beginnt die HNA-Blutspendenaktion. Bis Freitag können Freiwillige im Kongress-Palais Blut spenden, um die Bestände aufzufüllen und Schwerkranken zu helfen.

Blut ist durch nichts zu ersetzen. Dass der Bedarf immer weiter steigt, ist auch Ergebnis des medizinischen Fortschritts: Viele Operationen, Behandlungen und Transplantationen sind nur dank moderner Transfusionsmedizin möglich geworden.

Deutschlandweit werden laut DRK täglich rund 15 000 Blutspenden gebraucht. Was viele nicht wissen: Das meiste Blut wird zur Behandlung von Krebspatienten benötigt.

Allein an Blutkrebs (Leukämie) erkranken laut Robert Koch-Institut jedes Jahr etwa 11 400 Menschen in Deutschland neu. Betroffene sind auf Spenderblut angewiesen, erläutert Prof. Dr. Martin Wolf, Chefarzt der Klinik für Onkologie und Hämatologie am Klinikum Kassel. Denn bei einer Chemotherapie – mitunter folgt ihr eine Stammzellentransplantation – wird das blutbildende Knochenmark des Erkrankten komplett vernichtet. „Sie zerstört die bösen, aber auch die guten Zellen“, sagt Wolf. Zwar erholen sich die gesunden Stammzellen, allerdings dauert es zwei bis drei Wochen, bevor sie ihre Arbeit wieder aufnehmen. In der Zwischenzeit seien Leukämiepatienten auf die überlebenswichtige Gabe von Blutpräparaten angewiesen. Also auf die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten).

Die Blutplättchen sind für die Blutgerinnung wichtig. Sie sind jedoch nur wenige Tage haltbar, erklärt Wolf. Alle drei bis vier Tage erhalten Leukämiepatienten eine entsprechende Gabe, um nicht zu verbluten. Wolf und seine Kollegen haben im ersten Halbjahr dieses Jahres 491 Thrombozytentransfusionen durchgeführt; bei den Erythrozyten sind 854 Beutel zum Einsatz gekommen.

Nicht nur Blutkrebs-, auch Tumorpatienten sind auf Blutspenden angewiesen. Die bei Magen-, Darm- oder Brustkrebs zum Einsatz kommende Chemotherapie zerstört Blutzellen. „Weil gesunde Blutzellen nicht gut nachgebildet werden, leiden viele Patienten im Laufe der Therapie unter Blutarmut“, erläutert Wolf. Dann sei eine Transfusion nötig. Auch seltenere Bluterkrankungen behandelt Wolf. Er schildert den Fall einer Patientin, bei der sich während der Schwangerschaft eine aplastische Anämie entwickelt hat. Sie habe Antikörper entwickelt, die die Stammzellen zerstören. Weil keine roten Blutzellen gebildet werden, ist auch diese Patientin auf Blutkonserven angewiesen.

„Zur Blutspende gibt es keine Alternative“, fasst Wolf zusammen. Vor wenigen Wochen hat er selbst beobachtet, wie die Versorgung mit Blutkonserven angesichts der Coronakrise kritisch wurde. Umso wichtiger sei es, die Bestände wieder aufzufüllen, so Wolf: „Leukämie- und Stammzellentherapie-Patienten sind darauf angewiesen, dass ihnen gesunde Menschen helfen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.