Kumpel-Look und viele Plakate hintereinander

Auf Du und Du mit dem Kanzlerkandidaten: Was bei den Wahlplakaten in Kassel auffällt

Lange Reihe: Auf der Bundesstraße 83 in Waldau reihen sich zahlreiche Plakate der Freien Wähler aneinander. Die Informationen dürften hier im Vorbeifahren schwer zu lesen sein.
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Lange Reihe: Auf der Bundesstraße 83 in Waldau reihen sich zahlreiche Plakate der Freien Wähler aneinander. Die Informationen dürften hier im Vorbeifahren schwer zu lesen sein.

In gut einem Monat findet die Bundestagswahl statt. Das ist kaum zu übersehen. Überall weisen Wahlplakate auf das Ereignis am 26. September hin. Fast jeder Laternenmast ist mit Werbung verziert. Wir haben mal zusammengefasst, was uns bei der Fahrt durch die Stadt aufgefallen ist.

Die Anzahl: Insgesamt finden sich Plakate aller großen Parteien im Stadtgebiet. Besonders auffällig ist, dass die MLPD als Kleinstpartei in nahezu allen Stadtteilen mit einer großen Anzahl an Plakaten vertreten ist.

Die Häufigkeit: Wer auf der B 83 Richtung Messehallen unterwegs ist oder entlang der Heßbergstraße, um nur zwei Beispiele zu nennen, dem fallen die Plakate der Freien Wähler auf. Oder eben auch nicht. Auf der einen Seite sind es nämlich sehr viele, so reihen sich an den genannten Stellen und anderen Orten im Stadtgebiet immer gleich vier, fünf Plakate aneinander. Auf der anderen Seite ist die Schrift auf den Plakaten eben nicht gerade groß. Auf der B 83 kommt allerdings noch hinzu, dass wohl kaum ein Autofahrer hier im Vorbeifahren Inhalte der Plakate lesen kann. Und Fußgänger? Die sind hier wohl auch eher nicht unterwegs.

Die Höhe: Wurden bei der Kommunalwahl oftmals auch weit oben an – zum Beispiel – Laternen Plakate aufgehängt, ist das bislang eher selten der Fall. Die AfD, die die oberen Plätze zuletzt genutzt hatte, um etwa Zerstörungen vorzubeugen, hält sich bisher in Kassel mit Plakaten noch zurück.

Die Zerstörung: Beschädigte Plakate finden sich überall. Der Eindruck deckt sich mit der Information der Kasseler Polizei. Auch in diesem Wahlkampf habe es bereits Anzeigen gegeben, weil Wahlplakate zerstört oder entwendet worden seien, bestätigt sie. Erst am Sonntagabend sei ein Plakat an der Sternbergstraße im Stadtteil Wehlheiden in Brand gesetzt worden. Die Einsatzkräfte wurden von Anwohnern um 19.45 Uhr alarmiert, die das brennende CDU-Plakat gesehen hatten. Oftmals fallen auch Plakate auf, die mit Textmarkern oder Farbe beschmiert worden sind. Manch ein Schmierfink schreibt ganze Schriftzüge über das Plakat, andere wiederum malen den Kandidaten Bärte, Brillen oder Hüte. Oftmals werden auch Plakate abgerissen. Man muss die Plakate ja nicht unbedingt mögen: Aber sie zu verunstalten, ist sicher auch keine Lösung. Und witzig ist das auch nicht.

Die Ansprache: Irgendwie fühlt man sich auf der Fahrt durch Kassel derzeit wie in einem schwedischen Möbelhaus. Man wird ganz gern mal geduzt. Der SPD-Kanzlerkandidat verspricht oder fordert: „Respekt für Dich.“ Und die Grünen sind? „Bereit, weil Ihr es seid.“ Also, wenn wir bei nächster Gelegenheit mal den einen oder anderen Spitzenkandidaten treffen, dann sagen wir ganz einfach mal Du zum Olaf oder der Annalena und schauen, wie das so ankommt.

Der Look: Der Look passt zur Ansprache. So gibt man sich anders als bei vergangenen Wahlen nicht mehr ausschließlich im schicken Politiker-Outfit mit Anzug und Krawatte, sondern auch manchmal im eher legeren Outfit. So wirkt der Bundestagskandidat nicht mehr nur wie der Politiker aus Berlin, sondern ein stückweit auch wie der kumpelhafte Typ von nebenan.

Angesteckt: Plakat an der Sternbergstraße.

Die Laternenkoalition: Die Ampelkoalition gibt es ja bereits, aber eine Laternenkoalition? Zumindest im Wahlkampf kommt sie vor – zum Beispiel an der Ludwig-Mondstraße. Da hängen an einer einzigen Laterne ein allgemeines Plakat der Grünen, ein Plakat des Kasseler SPD-Bundestagskandidaten Timon Gremmels und ein Plakat des hessischen CDU-Spitzenkandidaten Helge Braun. Eine bunte Mischung also. Und wer weiß: Bewahrheiten sich die Umfragen, dann ist zumindest eine Koalition aus Grünen, SPD und CDU – wenn auch sehr unwahrscheinlich – nicht ausgeschlossen. Dann könnte für die Laternenkoalition das Licht angehen.

Die Laschet-Suche: Wir hatten das kürzlich ja schon einmal gefragt: Wo ist eigentlich Armin Laschet? Jetzt wissen wir: Ihn gibt es tatsächlich – zumindest sind vereinzelt Plakate in Kassel aufgetaucht, auf denen Armin Laschet zu sehen ist. Trotzdem: Wirklich auffällig ist der CDU-Kanzlerkandidat nicht. Er übt sich in dezenter Zurückhaltung, während Olaf Scholz fast von jeder Laterne auf uns blickt.

Der Dialog mit dem Wähler: Sehr häufig ist Timon Gremmels in der Stadt zu sehen. Ein Plakat zeigt den SPD-Kandidaten mit einer Seniorin. Darunter steht der Slogan: „Gut und sicher leben – auch im Alter.“ Die ältere Frau auf dem Bild scheint mit Gremmels zu sprechen und blickt ihn von der Seite an, doch der lächelt seine potenziellen Wähler an. Als Hobby-Psychologe könnte man aus dem Motiv die Botschaft rauslesen: Kameras sind dem Kandidaten wichtiger als die Sorgen der Wähler. Ist eher ein suboptimales Wahlplakat. (Kathrin Meyer, Florian Hagemann und Matthias Lohr)

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