Wieder Straße nach einem Sozialdemokraten bennant

Auf Kassels Straßenschildern hat die SPD die klare Mehrheit

Kassel. 13 neue Straßen und ein neuer Platz haben in Kassel nun Namen erhalten. Zwei wurden nach Persönlichkeiten benannt.

Die Verbindung zwischen Schiller- und Joseph-Beuys-Straße nach der Chemikerin und Frauenrechtlerin Clara Immerwahr sowie der Platz an der Ecke Ziegenhainer/Witzenhäuser Straße nach Ottokar Knierim, dem 2016 verstorbenen langjährigen Rothenditmolder Ortsvorsteher und Sozialdemokraten.

Die Namensgebung bestätigt den Trend. Bei den rund 50 Straßen und Plätzen, die in Kassel nach Politikern heißen, herrschen SPD-Leute vor. Fast 60 Prozent der Gewürdigten sind Sozialdemokraten. Der SPD-Einfluss über Jahrzehnte kommt bei Holger-Börner-Platz oder Elisabeth-Selbert-Promenade zum Ausdruck.

Insgesamt sind in Kassel 1415 Straßen und Plätze benannt, 524 tragen Personennamen. Auf den Schildern stehen auch SPD-Leute, die sich auf kommunaler Ebene engagierten. Aus der CDU schafften es fast nur so Prominente wie Konrad Adenauer auf ein Straßenschild. Ehrenbürger Rolf Lucas ist da die Ausnahme. Bei der FDP gelang das etwa Friedrich Naumann.

In der Regel schlägt der Magistrat Namen vor, und der Ortsbeirat beschließt. Kontroversen wie zuletzt bei der Karl-Branner-Brücke sind eher selten. Dort hielt der Magistrat am Namen des NS-belasteten Oberbürgermeisters fest, obwohl Ortsbeiräte die Brücke umbenennen wollten.

Viel Ärger gab es 2013 um eine Straße in Wehlheiden, die nach Schriftstellerin Anna Seghers benannt wurde. Der CDU-Stadtverordnete Bernd Peter Doose, heute Stadtrat, lehnte das damals vehement ab. Seghers sei Stalinistin und Stütze des DDR-Unrechtsstaats gewesen. Die Mehrheit setzte den Namen aber durch.

„Ich finde es nicht gut, dass Straßen immer nur nach Sozialdemokraten benannt werden sollen“, kritisiert Doose heute noch. Die Würdigung des engagierten SPD-Mannes Ottokar Knierim habe die CDU aber gern mitgetragen. 

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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