Rudi Walther, früherer Bundestagsabgeordneter, starb nun nach langer Krankheit

„Auf ihn konnte man sich verlassen“

Rudi Walther Foto: nh

Kassel/Wolfhagen. Rudi Walther ist tot. Der langjährige Bundestagsabgeordnete starb am Sonntag nach langer Krankheit in der Wolfhager Klinik.

Walther stammte aus einer sozialdemokratisch geprägten Familie. Er wurde am 22. Oktober 1928 in Kassel geboren, besuchte dort Schule und Handelsseminar, arbeitete dann als Angestellter in der Stadtverwaltung Kassel. 1957 wurde er zum hauptamtlichen Bürgermeister von Zierenberg, der Heimatstadt seiner Ehefrau Marli, gewählt.

Als Bürgermeister war er maßgeblich an der Gebietsreform beteiligt. 1972 wurde Walther, seit 1946 SPD-Mitglied, im Wahlkreis 126 direkt in den Deutschen Bundestag gewählt. 1980 gewann er den Wahlkreis 124 (Waldeck), den er bei den folgenden Wahlen bis einschließlich 1990 behaupten konnte.

In 22 Jahren Mitgliedschaft im Bundestag hat sich Rudi Walther zu einem der führenden Haushaltsexperten der SPD entwickelt. Und so wurde er 1983 Vorsitzender des mächtigen Haushaltsausschusses, dieses Amt übte er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Parlament 1994 aus. Dabei verschaffte er sich mit seiner Sachkenntnis, seinem sachlichen, aber auch unverblümten Debattenstil über die Parteigrenzen hinweg Achtung und Ansehen.

Von altem Schrot und Korn

Parteifreunde beschreiben ihn als pragmatisch und durchsetzungsfähig, als einen Politiker, der sich in der Bundeshauptstadt immer auch für seine Heimatregion eingesetzt habe.

Für den früheren Landrat des Landkreises Kassel, Dr. Udo Schlitzberger, war Walther ein „Sozialdemokrat von altem Schrot und Korn“, auch ein „Schlitzohr“, das „alle Tricks, und Schliche, die man als Bürgermeister lernt, kannte“. Schlitzberger, der 1972 als Jungsozialist Walthers ersten Bundestagswahlkampf mit managte, sagte weiter: „Auf ihn konnte man sich verlassen.“

Nach seinem Abschied aus der großen Politik wurde es ruhig um den einst mächtigen Bundespolitiker. An fortschreitender Demenz leidend, verbrachte er die letzten Jahre in einem Alten- und Pflegeheim in Wolfhagen. Walther, dessen Frau vor zweieinhalb Jahren starb, hinterlässt zwei Töchter und vier Enkel. (nom)

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