Vergeblicher Ausflug

Auf der Suche nach dem DHL-Paket: Eine erfolglose Fahrt nach Lohfelden

Kein Paket für sie im ehemaligen Autohaus: Joséphine Hein ist vergeblich nach Lohfelden gefahren. Foto: Fischer

Kassel/Lohfelden. DHL-Chaos in Kassel: Kunden müssen sich ihre Pakete derzeit in Lohfelden abholen. Eine von ihnen ist Joséphine Hein - wir haben sie begleitet.

Um ein Haar, und der Zettel aus dem Briefkasten wäre im Papierkorb gelandet – so unscheinbar und unauffällig kam er daher. Dann aber sah Joséphine Hein aus Kassel noch einmal genauer drauf – und stellte fest: Dieser Zettel war die Benachrichtigung für ein Paket. Darin heißt es, dass die Sendung abgeholt werden könne – nicht beim nächsten Paketshop um die Ecke, sondern in Lohfelden. Das erstaunte Joséphine Hein dann doch. Zumal sie ausschließen konnte, dass ein Bote den Versuch unternommen hat, das Paket bei ihr abzugeben.

Also macht sich die 23 Jahre alte Studentin gestern Mittag mit dem von den Eltern geliehenen Auto auf nach Lohfelden – zum etwas anderen Paketshop. Allein ihn zu finden, stellt sich als Herausforderung dar: Max-Planck-Straße 8, „gegenüber von Volvo-Truck“, wie es auf der unscheinbaren Benachrichtigungskarte steht.

Also, rein ins Industriegebiet nach Lohfelden, abbiegen in die Max-Planck-Straße, Volvo entdecken, aber was ist das gegenüber? Die Post? Das Gebäude sieht eher aus wie eine verlassene Halle. Die Werbung eines Autohauses hängt noch an der Fassade. Hier wurden einst Luxuswagen verkauft – und nun dient das Ganze der Post als Lager. Daraufhin deuten zwei kleine gelbe Schilder mit der Aufschrift: „Eingang Paketausgabe.“ Im Eingangsbereich steht zusätzlich ein Schild mit handschriftlichem Hinweis.

Hinweise: Hier geht es zur Paketausgabe. Foto: Fischer

Joséphine Hein ist jetzt ihrem Paket ganz nah. Eigentlich. Vor ihr tut sich eine schmucklose Halle voller Pakete auf. Die Mitarbeiter sind freundlich und hilfsbereit. Sie suchen jetzt das Paket mit der Nummer, die der Sendung für Joséphine Hein zugeteilt worden ist. Alles läuft mit System, nur: Das eine Paket ist einfach nicht zu finden. Währenddessen kommen andere Kunden in die Halle, bei ihnen funktioniert alles reibungslos. Aber Joséphine Hein wartet weiter. Und wartet. Letztlich fährt sie ohne Paket wieder nach Hause – aber mit der Gewissheit, dass weiter nach ihrer Sendung gesucht wird und sie benachrichtigt wird.

Die Studentin der Uni Kassel nimmt es gelassen, als sie die Lagerhalle verlässt, während immer neue Pakete mit dem Lastwagen angeliefert werden. Sie sagt: „Ich bin eigentlich eine Vorzeigekundin, weil ich längst nicht alles im Internet bestelle. Und ausgerechnet mir passiert das. Aber was soll’s?“

Hier ist die DHL-Paketausgabe:

Sie denkt aber auch an jene, die nicht so mobil sind wie sie und nicht einfach zwischendurch mal von Kassel nach Lohfelden fahren können. Für jene sei die Situation ärgerlich, zumal so kurz vor Weihnachten. Sie selbst habe noch ein bisschen Geduld mit der Post und ihrem Paket.

Am Nachmittag dann bekam Joséphine Hein einen Anruf. Ihr Paket – gefunden. Es werde jetzt zugestellt. Sie könne es auch abholen, aber noch einmal nach Lohfelden fahren will sie dann doch nicht.

Hintergrund: Zusteller waren krank

Im Bereich der Wilhelm-Busch-Straße in Niederzwehren ist es seit Anfang Dezember zu Schwierigkeiten bei der Zustellung von Briefen gekommen. Ein Anwohner teilte mit, dass ein Postbote ihm gesagt habe, es würden derzeit nur Pakete, aber keine Briefe oder Postkarten mehr zugestellt.

Nach Angaben von Post-Sprecher Thomas Kutsch hat es in dem Kasseler Bezirk „krankheitsbedingte Probleme“ gegeben, wodurch es zu Unregelmäßigkeiten bei der Postzustellung gekommen sei. Die Post habe aber jetzt „Entlastungskräfte“ eingesetzt, damit die Rückstände abgearbeitet werden können. „Es lief nicht alles rund, das steht außer Frage“, sagt Kutsch.

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