Mitten auf dem Platz

Auf dem Wehlheider Marktplatz stand früher ein Haus

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Wohnhaus: Im Fotoalbum von Ursula Vogel sind Fotos vom Haus ihrer Großeltern, Kirchweg 42, (links) zu sehen. Weil der Platz heute nicht bebaut ist, fällt eine Orientierung schwer. Hinter den Häusern verläuft die Wilhelmshöher Allee, Höhe Haltestelle Kirchweg.  

Wehlheiden. Der Wehlheider Platz an der Wilhelmshöher Allee ist uns als urbaner Ort mit Aufenthaltsqualität vertraut: Hier findet seit 1983 immer freitags ein populärer Regional-Markt statt, Cafés und Restaurants laden ein, und ein Brunnen nebst Kunstwerk befinden sich ebenfalls im Zentrum des Areals.

Zudem ist der von Bäumen bewachsene Platz das Zentrum der Wehlheider Kirmes, die hier traditionell mit dem Empfang des Bürgermeisterpaars ihren Auftakt hat.

Doch so wie wir ihn heute kennen, besteht er erst seit den 1970er-Jahren. „Davor gab es eine ganz andere Straßenführung. Bis 1965 fuhr sogar noch die Herkulesbahn durch den Kirchweg zum Brasselsberg. „Ich erinnere mich an den Platz als Trümmergrundstück und als riesigen Parkplatz“, sagt Ortsvorsteher Norbert Sprafke. Das war in den 1960er-Jahren. Ursula Vogel (82) erinnert sich sogar noch daran, dass mitten auf dem Platz, „genau dort, wo heute der Brunnen sprudelt“, das Haus ihrer Großeltern Marie Carl und Sattlermeister Heinrich Carl stand.

In ihrem Fotoalbum geben zahlreiche Fotos Zeugnis von dieser ungewöhnlichen Wehlheider Ansicht ab. Der Großvater hatte das Haus mit vier Wohnungen, Kirchweg 42, nicht selbst gebaut, sondern gekauft. Hier kamen die Kinder der Familie, Käthe und Heinrich junior (Ursula Vogels Vater), zur Welt. Der Enkelin ist alles gut in Erinnerung geblieben. „In dem Haus war früher mal eine Brauerei“, weiß sie. Es existierten riesige Kellergewölbe, die im Krieg als Luftschutzbunker dienten, erinnert sie sich. Hinter dem Haus gab es einen Garten, und der Großvater hatte dort seine Sattlerwerkstatt. Auf der anderen Straßenseite befanden sich eine Drogerie und ein Lebensmittelgeschäft und in der Nachbarschaft ein Friseur.

1962 wurde Ursula Vogels Eltern das stattliche Wohnhaus von der Stadt zwecks Neugestaltung des Wehlheider Ortskerns abgekauft. Mit der finanziellen Entschädigung baute sich die Familie in Wilhelmshöhe ein neues Wohnhaus.

Die Wittrockstraße existierte zu jener Zeit noch nicht. „Sie wurde zur Entlastung und Verkehrsberuhigung des alten Ortskerns erst Ende der 1970er-Jahre gebaut“, sagt Norbert Sprafke. Zum Glück seien die Pläne der Stadt, die Wittrockstraße mit einer Fußgängerunterführung auszustatten, nicht realisiert worden. Der Brunnen, den der documenta-Künstler Heinrich Brummack gestaltet hat, wurde im Oktober 1989 eingeweiht. 

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