Unternehmen kann in Kassel bleiben

Bund will Weser schiffbar halten - Aufatmen bei Anlagenbauer Schmidt’sche

Die Oberweser soll schiffbar bleiben: Das ist die Voraussetzung für den Fortbestand von Arvos Schmidtsche Schack in Kassel und Richter in Hessisch Lichtenau an ihren bisherigen Standorten. Foto: Krischmann

Kassel / Hann. Münden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat den Verkehrsministern von Hessen und Niedersachsen, Olaf Lies (SPD) und Tarek Al-Wazir (Die Grünen), schriftlich zugesichert, dass die Oberweser schiffbar bleibe.

Damit ist der Fortbestand der Anlagenbauer Arvos Schmidtsche Schack (ehemals Alstom und davor Schmidt’sche Heißdampf) in Kassel sowie der Maschinenfabrik Richter in Hessisch Lichtenau an ihren bisherigen Standorten gesichert.

Beide Unternehmen stellen besonders schwere und große Bauteile her, die wegen der begrenzten Tragfähigkeit von Brückenbauwerken nicht über die Straße transportiert werden können. Die Schmidtsche Schack etwa baut bis zu 500 Tonnen schwere Spaltgaskühler, die als Herzstück einer jeden chemischen und petrochemischen Anlage bei der Gewinnung von Ethylen – dem Grundmaterial aller Kunststoffe – unabdingbar sind. Sie kühlen nach dem Cracken von Öl und Gas in einem immerwährenden Prozess rund um die Uhr das Ethylen in Sekundenbruchteilen um mehrere Hundert Grad ab, damit sich die Bestandteile nicht sofort wieder miteinander verbinden.

Schmidtsche Schack gilt als Technologieführer und ist auch im globalen Vergleich einer der ganz Großen der Branche. Ihre Anlagen sind weltweit im Einsatz. Außerdem stellt das 1910 gegründete Traditionsunternehmen Luftvorwärmer für die Produktion von Ruß -– dem Grundstoff für Reifen – her. Mit einem Anteil von 70 Prozent sind die Kasseler Wärmetauscherspezialisten in diesem Bereich unangefochtener Weltmarktführer.

Das Unternehmen beschäftigt 350 Mitarbeiter, davon 240 in Kassel sowie in einem Zweigbetrieb in Lohfelden. Es gehört seit September zum deutsch-schwedischen Investor Triton, der das Geschäft vom französischen Elektro- und Bahntechnik-Konzern Alstom übernommen hatte.

Geschäftsführer Karsten Stückrath, der die gesamte Sparte mit einem Werk in Düsseldorf sowie fünf Auslandsstandorten verantwortet, begrüßte die Zusage des Ministers. „Die Weser ist die Lösung“, sagte er. Stünde die Wasserstraße nicht mehr zur Verfügung, müssten sich die Hersteller von Schwergütern andere Standorte suchen. Kassels Landrat Uwe Schmidt bezeichnete Dobrindts Zusage als „gute Nachricht für die Wirtschaftsregion Kassel“. Sie sei Sitz von vielen weltweit und in Nischen tätigen Unternehmen, die auf eine möglichst große Vielfalt bei den Transportwegen angewiesen seien.

Zur besseren Verladung der schweren Bauteile plant ein branchenerfahrener Investor den Bau einer großen Montagehalle und Krananlage im Hann. Mündener Weserpark unweit der städtischen Kläranlage. Zurzeit wird erwogen, ein Gutachten in Auftrag zu geben. Es soll klären, ob sich der Standort eignet.

Von José Pinto und Helmut Krischmann

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