Keine Beweise gegen angeklagtes Pärchen

Aufgeplatzte Lippe nach Erotikanzeige: Freispruch für Molli-Maus

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Kassel. Mit Freisprüchen endete am Dienstag der Prozess gegen eine 33-Jährige und ihren gleichaltrigen Lebensgefährten. Den beiden war vorgeworfen worden, einen 51-Jährigen auf einem Parkplatz in der Hannoverschen Straße in Niestetal verletzt und ausgeraubt zu haben.

Die Aussagen des 51-Jährigen vor Gericht seien jedoch nicht uneingeschränkt glaubwürdig gewesen, hieß es am Ende des Prozesses, er habe in einigen Punkten gar gelogen.

100 Euro für nichts?

Er hatte, wie er vor Gericht berichtete, in einer Zeitungsanzeige für Erotik-Kontakte die Telefonnummer der 33-Jährigen gefunden. Sie verabredeten sich zu einem Treffen, bei dem sie angeblich 100 Euro kassiert hat, ohne dass er dafür eine Gegenleistung bekam.

Der 51-Jährige vereinbarte gleichwohl ein zweites Treffen, so liest man es jedenfalls in den protokollierten SMS, die das Gericht auswertete. Doch zu diesem Date erschien er nicht, später teilt er der 33-Jährigen schadenfroh mit, dass er sie „verarscht“ habe. Es kam es zu einem dritten Treffen.

Mann aus der Dunkelheit

Kurz darauf alarmierte der 51-Jährige die Polizei, die Beamten fanden ihn mit einer Verletzung an der Lippe, seine Geldbörse war verschwunden. Seiner Darstellung zufolge war er - kaum dass er der Dame, die sich als „Molli-Maus“ angepriesen hatte, gegenüberstand - von einem aus der Dunkelheit aufgetauchten Mann geschlagen worden.

Deshalb sitzt der Lebensgefährte der 33-Jährigen mit auf der Anklagebank. In dem darauffolgenden Handgemenge habe ihm, so die Version des 51-Jährigen, die 33-Jährige das Portemonnaie weggenommen. 300 Euro sollen ihm abhandengekommen sein.

In dieser Aussage stellte das Gericht diverse Ungereimtheiten fest. So hatte er zunächst behauptet, nach dem missglückten dritten Treffen keinen Kontakt zu der Dame mehr aufgenommen zu haben. Vor Gericht offenbarte sich dann, dass er doch noch mal versucht hatte, sie per Handy zu erreichen. Daneben hatte er behauptet, seine Geldbörse vor dem Treffen vorsorglich unter der Fußmatte seines Autos versteckt zu haben.

Vor Gericht sagte er, der Geldbeutel sei ihm bei dem Gerangel aus der Hosentasche gefallen. Das Einzige, das am Ende eindeutig feststand, war die Verletzung, die die zu Hilfe gerufenen Polizeibeamten protokolliert hatten. Wie sie zustande gekommen war, das ließ sich vor Gericht nicht mit der für eine Verurteilung nötigen Sicherheit feststellen.

Keine DNA-Spuren

Außer an der mangelnden Kontinuität in der Aussage des 51-Jährigen fehlte noch einiges mehr: Weder gab es DNA-Spuren noch wurde Beute oder die Kleidung gefunden, die die 33-Jährige nach der Beschreibung des 51-Jährigen getragen haben soll.

Von Ralf Pasch

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