Das Wilhelmsgymnasium feiert am Wochenende 125-jähriges Bestehen

Aufpoliert ins Jubiläum

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Aula als Treffpunkt: Im Hauptgebäude des Wilhelmsgymnasiums probten gestern Orchester und Chor für das Jubiläumsfest.

Kassel. Eigentlich ist das Wilhelmsgymnasium ein Ableger. Als sich das nach Kaiser Wilhelm I. benannte Schulgebäude an der Humboldtstraße 1886 erstmals füllte, waren es Lehrer und Schüler des Friedrichsgymnasiums, die dort einzogen.

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Wegen der gestiegenen Schülerzahlen war das bereits mehr als 100 Jahre alte Kasseler Gymnasium an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen. Und ein zweites musste her.

Mit 320 Schülern und 17 Lehrern nahm das „Königliche Wilhelms-Gymnasium“ am 4. Mai 1886 den Schulbetrieb auf. Auf dem Stundenplan standen zunächst - wie bei der humanistischen Mutterschule - vor allem Griechisch und Latein, auf den Schulbänken saßen ausschließlich Jungen.

Heute, 125 Jahre später, ist das WG längst eine eigenständige Größe in der Kasseler Schullandschaft. Und es ist gewachsen: Im Jubiläumsjahr zählt das Gymnasium in Bad Wilhelmshöhe 1150 Schüler, die von einem 80-köpfigen Stammkollegium betreut werden. Sowohl in der Schüler- als auch der Lehrerschaft überwiegt dabei inzwischen deutlich das weibliche Geschlecht.

Die Koedukation wurde 1968 am WG eingeführt. Damals passte übrigens die eingebürgerte Abkürzung WG gar nicht mehr, denn offiziell hieß man damals Wilhelmsschule. 1938 mussten alle Gymnasien ohne altsprachliche Ausrichtung in „Schule“ umbenannt werden. Erst seit 1995 trägt das WG das Gymnasium wieder im Namen.

Zerbombt im Weltkrieg

Wechselvoll war auch das Schulschicksal in den ersten Jahrzehnten. Allein im Ersten Weltkrieg ließen 300 junge Männer, die direkt von der Schule in die Schlacht gezogen waren, sowie Ehemalige ihr Leben. Stärker noch sollte sich der Zweite Weltkrieg auswirken. Nicht nur, dass beim Luftangriff auf Kassel am 22. Oktober 1943 das Schulgebäude an der Humboldtstraße in Schutt und Asche gelegt wurde. Einzig die Eule, das Schulwahrzeichen seit 1886, entging der Zerstörung. Obwohl der damalige Rektor Wolfgang Paeckelmann seinerzeit offenbar versuchte, sich der braunen Einflüsse zu erwehren, wurde auch am WG die Hakenkreuzfahne gehisst. Dabei sind unter den Absolventen der Schule sowohl Mittäter als auch Opfer gewesen. Während der heute als Publizist und Journalist bekannte Peter Scholl-Latour als „jüdischer Mischling“ trotz anderslautender Vorschriften noch 1943 seine Reifeprüfung am WG ablegen konnte, besiegelte der ehemalige WG-Schüler Roland Freisler während des Dritten Reichs als Präsident des Volksgerichtshofs ungezählte Schicksale. Auch das von Adam von Trott zu Solz, den er 1944 zum Tode verurteilte. Der Widerstandskämpfer hatte ebenfalls einige Zeit das Kasseler Gymnasium besucht.

Nach dem Krieg war das WG obdachlos. Nach Übergangslösungen, unter anderem in der Lüttichkaserne, entstand schließlich ein Neubau am heutigen Standort an der Kunoldstraße, der 1962 eingeweiht wurde – kurz nach dem 75-jährigen Bestehen der Schule.

Diesmal wurden die Gebäude vor dem Jubiläum fertig: Pünktlich zum 125. Geburtstag verfügt das WG über ein nagelneues Bootshaus. Schon im vorigen Jahr wurde die lang ersehnte neue Sporthalle samt integrierter Mensa eingeweiht.

Von Katja Rudolph

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