Aufruf zum Abschalten: Spontane Mahnwache gegen Atomkraft in Kassel

Kassel. Mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer in Japan begann die Mahnwache für den Atomausstieg Montagabend auf dem Opernplatz.

Mit einem minutenlangen Sprechchor „Abschalten!“ endete die kurzfristig von Anti-Atomkraft-Initiativen und Parteien einberufene Versammlung, zu der etwa 500 Menschen in der Kasseler Innenstadt zusammengekommen waren. Bundesweit hatten Atomkraftgegner angesichts des drohenden Super-GAUs im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Protestveranstaltungen auf die Beine gestellt.

Sichtlich bewegt von den Ereignissen in Japan, aber auch kämpferisch für den sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie gaben sich die Redner – und das in seltener parteiübergreifender Einigkeit zu Wahlkampfzeiten. Von einem „entsetzlichen Déjà-vu“ 25 Jahre nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sprach Marjana Schott, Landtagsabgeordnete der Linken. Nun werde erneut offenbar, dass Atomkraft nicht kontrollierbar sei.

Vereint versammelt unter der Fahne „Atomkraft - nein danke“ gelte es deutlich zu machen, dass es eine große Mehrheit für den Ausstieg gebe, sagte SPD-Kreisvorsitzender und Landrat Uwe Schmidt. Und Eva Koch, Vorsitzende der Kasseler Grünen, mahnte an, dass auch bei einem Ende der Atomkraft in Deutschland der Kampf gegen die gefährliche Kernenergie weitergehen müsse. „Es gibt viele Länder, wo Atomkraft noch lange nicht infrage gestellt wird.“

Dass ein dreimonatiges Moratorium, wie von Kanzlerin Angela Merkel gestern angekündigt, nicht reiche, sondern man den unverzüglichen Ausstieg fordere, stellte Ulrike Niklaus von der Initiative Anti-Atom-Spaziergang klar. In Kassel hatte die Gruppierung vor einer Woche erstmals zu einer Menschenkette um den Königsplatz aufgerufen. Immer am ersten Montag im Monat soll künftig ein Spaziergang von Atomkraftgegnern stattfinden (jeweils 18 Uhr, Treffpunkt Rathaustreppe, nächstes Mal: 4. April).

Auch Erika Mohs vom Kasseler Verein Frauen nach Tschernobyl rief dazu auf, den Protest nicht einschlafen zu lassen. „Das Einzige, was uns retten kann, ist menschliche Energie, menschliche Tatkraft – keine Atomkraft.“ Peter Strutynski vom Kasseler Friedensforum sprach sich gegen Atomkraft auch als Grundlage nuklearer Waffen aus und nannte Kanzlerin Merkel ein „politisches Restrisiko“, wenn sie gegen den Willen der Bevölkerung an der Atomkraft festhalte.

Mit für die Mahnwache mobilisiert hatte auch der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Uni Kassel. Ziel sei es nicht, aus einer Katastrophe Kapital zu schlagen, sondern Verantwortung für künftige Generationen zu übernehmen, teilte der Asta im Vorfeld mit. Das Wählerbündnis AUF Kassel sprach sich in einer Pressemitteilung für weitere Protestaktionen aus. Ein GAU sei auch in deutschen Atomkraftwerken möglich. Außerdem bleibe die Endlagerung des Atommülls eine ständige Bedrohung für nachfolgende Generationen.

Von Katja Rudolph

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