Kundin aus Russland engagierte Kasseler Firma für den kompletten Innenausbau

Auftrag aus Kaliningrad

Das umgebaute Siedlerhaus in Kaliningrad: Vor dem Haus erstreckt sich eine Teichanlage mit Schwimmmöglichkeit. Foto: Baum

Kassel / Kaliningrad. Nordhessische Handwerksfähigkeiten sind auch in Russland gefragt. Zwei Kasseler Architekten haben gemeinsam mit den Kasseler Möbelwerkstätten Baum&Söhne ein Siedlerhaus in Kaliningrad umgebaut. Ein Millionenprojekt mit kleineren Hindernissen, die sich vor allem am russischen Zoll abspielten.

Maßgefertigte Waschbecken aus Muschelkalk, eine passgenaue Treppe sowie Regale und Betten aus eleganter, weiß gekalkter Eiche – in dem rund 240 000 Euro teuren Innenausbau der Firma Baum&Söhne kann sich die anspruchsvolle russische Bauherrin wohlfühlen. Der Ruf nach Russland kam für Frank Baum ziemlich überraschend – und per Dolmetscherin.

„Die ganze Kommunikation verlief per Übersetzerin“, sagt Baum. Den Auftrag für den Innenausbau des rund 350 Quadratmeter großen Hauses aus dem Jahr 1930 hat der 42-Jährige von Architekt Markus Hanisch und Landschaftsarchitekt Michael Triebswetter erhalten.

„Das Projekt des Um- und Anbaus läuft schon seit 2006“, sagt Architekt Hanisch. Der erste Kontakt zu Frank Baum erfolgte 2009. Warum ein Kasseler Unternehmen? „Die Russen schätzen das deutsche Handwerk“, sagt Michael Triebswetter, Landschaftsarchitekt. Die Kundin wollte keine Fabrikmöbel. Und teilweise seien die Materialkosten in Deutschland einfach billiger.

Mit dem Auto nach Kaliningrad: 1000 Kilometer, 15 Stunden Fahrt und der russische Zoll. „Wir sind mit Bauchkribbeln losgefahren“, sagt Frank Baum über den Abfahrtstag im Sommer 2011. Und das aus zwei Gründen: Vor Ort durften sie sich beim Vermessen keine Fehler erlauben. „Mal schnell rübergefahren und nachmessen, das geht ja nicht“, sagt Mitarbeiter Stephan Lieberum. Und dann der Zoll mit den autoritären Beamten: „Wir wurden auf Russisch angeschrien“, sagt Baum. Er habe aber nicht verstanden, worum es ging. „Aufmachen“, habe der Zollbeamte dann gesagt. „Eigentlich können da alle Deutsch, wenn sie wollen“, hat Lieberum festgestellt. Die Deklaration der Werkzeuge auf einem russischen Formular sorgte für weitere Schweißausbrüche: „Wir mussten es dreimal neu ausfüllen“, sagt Lieberum.

Nach dem Ausmessen in Kaliningrad begann die heimische Produktion: Betten, Küche, Treppe wurden gefertigt, einmal komplett auf- und wieder abgebaut und schließlich verladen. Im Mai 2012 gingen die Möbel nach Russland. „Fünf Tage stand der Lkw wegen eines Deklarationsproblems beim Zoll“, sagt Baum.

Im Dezember 2012 war schließlich alles fertig. „Die Kundin wollte uns nicht mehr gehen lassen, aber sie hat keinen Fehler mehr gefunden, um uns dazubehalten“, sagt Lieberum. Die Schlosserarbeiten habe auch eine deutsche Firma gemacht. Woher die kam? „Aus Kassel“, sagt Baum.

Von Max Holscher

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