Protest in Kassel

Anti-Corona-Demo in Kassel: Teilnehmer solidarisieren sich mit „Jana aus Kassel“

Wohnmobil zweier Demo-Teilnehmer an den Kasseler Messehallen
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Mit elf Autos gegen die Corona-Maßnahmen: Wohnmobil zweier Demo-Teilnehmer am Montagmorgen an den Kasseler Messehallen.

Seit Monaten demonstrieren Corona-Kritiker gegen die Einschränkung von Grundrechten. Nun gab es die erste Auto-Demo in Kassel. Teilnehmer verteidigten Jana aus Kassel.

Kassel – Kurz nach der ersten Auto-Demo von Corona-Kritikern in Kassel ist der Mann, der „Jana aus Kassel“ dazu geraten hat, sich mit Sophie Scholl zu vergleichen, zufrieden. In der Gruppe des Messenger-Dienstes Telegram, in der sich die Teilnehmer des Auto-Corsos organisieren, hatte Philipp die seiner Ansicht nach „provokative Anspielung“ verteidigt, mit der die 22-jährige Jana am Samstag (21.11.2020) bei einer Demonstration in Hannover bundesweit für Entsetzen gesorgt hatte. Nun sagt Philipp, der seinen Nachnamen aus Angst vor den Reaktionen nicht nennen will: „Wir sind gesehen, aber nicht ausgebuht worden.“

Elf Autos mit selbst ernannten Querdenkern hatten sich am Montagmorgen um kurz nach sieben vom Parkplatz an den Messehallen auf den Weg gemacht, um mit etwa 20 Stundenkilometern und hupend über die Frankfurter Straße in die Innenstadt und zurückzufahren. Nach 40 Minuten war die Premiere vorbei. Die Polizei, die mit mindestens ebenso vielen Einsatzkräften vor Ort war, wie Demonstranten anwesend waren, sagte, es habe keine Zwischenfälle gegeben.

Corona-Kritiker in Kassel: Demo mit Autos auch in anderen Städten

Die Nordhessen kopierten damit eine Idee des umstrittenen Ulmer Rechtsanwalts und „Querdenker“-Aktivisten Markus Haintz. Er hatte in der schwäbischen Stadt vor einer Woche eine Demo mit immerhin 100 Autos organisiert und so für jede Menge Staus gesorgt, wie die „Südwest Presse“ berichtet.

In Kassel hat die „Autodemo“-Gruppe bei Telegram lediglich 23 Mitglieder. Einige hatten in der Dunkelheit Schwierigkeiten, den richtigen Parkplatz rund um die Messehallen zu finden. Bereits um halb sieben trifft Friederike Siebert dort ein. Die Baunatalerin hält es für wichtig, „für unsere Grundrechte zu demonstrieren“.

Ihr Begleiter nennt Kanzlerin Merkel „die Kaderschlampe aus der Uckermark“ und behauptet, in Deutschland gäbe es keine Demokratie. An ihr Wohnmobil befestigen beide ein Transparent mit dem Slogan der Veranstaltung: „Goodbye Grundrechte?!?“

Weitere Auto-Demos in Kassel geplant: Corona-Kritiker wollen nicht aufgeben

Nicht alle Demonstranten sind so offen. Eine Frau sagt, man solle lieber nicht mit der HNA reden, die sei schließlich „öffentlich-rechtlich“. Andere kritisieren den Virologen Christian Drosten, der keinen Doktortitel habe (was nicht stimmt), und empfehlen Bücher von Allgemeinmedizinern, in denen die Wahrheit über Corona stehe.

Ein 56-Jähriger ist mit seiner Frau gekommen, weil die Folgen der Corona-Maßnahmen ihn wirtschaftlich hart getroffen haben, wie er sagt. Sein Versandhandel gehe den Bach runter. Seine Frau wurde von ihrem Arbeitgeber angeblich in Zwangsurlaub geschickt, weil sie auf einer Demo in Leipzig war. „Eigentlich erhoffe ich mir auch von dieser Demo gar nichts mehr“, sagt der Mann.

Trotzdem soll es weitere Auto-Corsos in Kassel geben. Die Organisatorin der gestrigen Rundfahrt will ihren Namen nicht nennen, weil Leute wie sie derzeit nicht sicher seien. „Jana aus Kassel“ hat sie eine aufmunternde Nachricht zukommen lassen. Über deren Kritiker sagt sie bei Telegram: „Aktuell sind das noch Leute, die über uns lachen. Am Ende werden das diejenigen sein, die sich bei uns bedanken. Jetzt sind sie noch am Schlafen.“ Das nächste Aufwachen ist für Freitag geplant. Da ist die zweite Auto-Demo geplant. (Matthias Lohr)

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