Neuer Baustoff

Innovation aus Kassel: Forscher wollen verbrannten Müll zu Öko-Beton machen

Schlackeberg bei der Firma Baureka in Kassel: Aus dem Verbrennungsmaterial aus den Müllheizkraftwerken soll in Zukunft ein neuer Baustoff werden.
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Schlackeberg bei der Firma Baureka in Kassel: Aus dem Verbrennungsmaterial aus den Müllheizkraftwerken soll in Zukunft ein neuer Baustoff werden.

Die Zement-Herstellung ist ein großes Problem für das Klima. Nun arbeiten Wissenschaftler aus Kassel an einem neuen, nachhaltigen Baustoff.

Kassel – Wenn etwas in Schutt und Asche liegt, kann man in der Regel nichts mehr damit anfangen. Weit gefehlt. Zwei Wissenschaftler der Universität Kassel wollen die Hausmüllasche, die bei der Verbrennung in Müllheizkraftwerken entsteht, für einen nachhaltigen Baustoff einsetzen: den Öko-Beton.

Es begann mit einem Gespräch zwischen dem Werkstoffwissenschaftler Bernhard Middendorf und dem Experten für Ressourcenmanagement und Abfalltechnik David Laner. Die Professoren der Universität Kassel wollten gemeinsam einen ökologischen Baustoff herstellen. Dabei kamen sie schnell auf den Massenbaustoff Beton.

Kassel: Zement-Herstellung ein großes Problem für das Klima

„Der größte Massenstrom auf der Welt ist nach dem Wasser der Zement. 4,65 Milliarden Tonnen werden jährlich auf der Erde hergestellt und verbraucht“, sagt Middendorf. Ein großes Problem für das Klima. Denn die Herstellung einer Tonne Zement ist in Deutschland mit CO2-Emissionen von rund 600 Kilogramm verbunden. Die Zementindustrie produziert weltweit fast vier Mal so viel CO2 wie die Luftfahrt, so die Wissenschaftler. Insofern könnten Fortschritte bei der Entwicklung eines Öko-Betons mit dem Einsatz von Reststoffen einen großen Gewinn für das Klima bedeuten.

„Denn klar ist auch, wir brauchen den Beton auch zukünftig für viele Ingenieurbauwerke. Alternativen sind derzeit nicht in Sicht“, sagt Middendorf. So kamen die Wissenschaftler auf die Idee, den Zementanteil im Beton zu reduzieren. Sie gehen davon aus, dass es möglich ist, dem Beton mindestens 20 Prozent weniger Zement beizumischen und den fehlenden Anteil durch feine aufbereitete Verbrennungsasche zu ersetzen. Denn diese wird bislang nur als Verfüllmaterial oder für den Deponiebau genutzt. „Bisher gibt es also eine minderwertige Verwendung. Wir machen ein Produkt daraus. Upcycling statt Downcycling“, sagt Laner.

Damit die Asche überhaupt eingesetzt werden kann, muss sie entsprechend aufbereitet werden - so müssen etwa sämtliche metallischen Stoffe herausgeholt werden, die den Beton schädigen würden.

Arbeiten zusammen an neuem Beton: Prof. David Laner (links) und Prof. Bernhard Middendorf.

Aber nicht nur die feine Asche soll zum Einsatz kommen. Mit den groben Brocken, die bei der Verbrennung im Kraftwerk übrig bleiben, könne zudem ein Teil des Sandes und Kieses ersetzt werden, die ebenfalls dem Beton beigemischt werden. „Weltweit wird auch Sand knapp. Auch dafür hätten wir einen Ersatzstoff“, sagt Middendorf.

Kassel: Projekt Öko-Beton stößt auf großes Interesse

Die Industrie ist jedenfalls schon interessiert und deshalb mit im Boot. Die Wissenschaftler haben die Firma Kimm Baustoffe aus Wabern, die Firma Baureka Baustoff-Recycling aus Kassel sowie das Müllheizkraftwerk Kassel für das zweijährige Forschungsprojekt als Partner gewinnen können. Erste Versuche mit dem Öko-Beton wurden an der Uni Kassel bereits gestartet. Noch gibt es kein marktreifes Produkt.

Und auch wenn es dieses in zwei Jahren geben sollte – da sind sich die Kasseler Forscher sicher – wird dieses erst mal nicht im konstruktiven Bereich einsetzbar sein. „Wir werden damit erst mal keine Brücken bauen können, sondern Pflastersteine, Lärmschutzwände und andere Betonfertigteilprodukte“, sagt Laner. Und Middendorf ergänzt: „Der Beton soll aber kein Mülleimer werden. Wir wollen leistungsfähige Produkte, die umweltökologisch unbedenklich ist.“

Das Projekt wird mit 250.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. (Bastian Ludwig)

Forscher der Universität Kassel arbeiten derzeit auch an intelligenten Ladesäulen.

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