Umbau

Königsplatz in Kassel: Ein Bankhaus wird zum neuen Gasthaus - Investor will geheim bleiben

Umbau läuft seit zweieinhalb Monaten: In das ehemalige Bankhaus (zuletzt Santander) am Königsplatz 57 soll 2022 eine Gastronomie ziehen.
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Umbau läuft seit zweieinhalb Monaten: In das ehemalige Bankhaus (zuletzt Santander) am Königsplatz 57 soll 2022 eine Gastronomie ziehen.

Am Königsplatz in Kassel soll nun anstatt eines Bankhauses ein Gasthaus entstehen. Ab Anfang 2022 sollen dort Gäste bedient werden.

Kassel – Wo einst Geld, Gold und andere Wertsachen in zwei großen Tresoren lagerten, sollen ab Anfang 2022 Gäste in einer neuen Gastronomie bedient werden. Dafür wird das ehemalige Bankhaus am Königsplatz 57 aufwendig umgebaut und saniert. Der Investor steckt nach Angaben des beauftragten Büros Ladleif Architekten aus Kassel einen einstelligen Millionenbetrag in das Projekt. Wer hinter dem Vorhaben steckt, dürfen die Planer nicht verraten.

Sie bewegen dicke Wände im ehemaligen Bankhaus: die Architekten Lucius Ladleif (von links), Eric Schmidt und Benjamin Reibold von Ladleif-Architekten.

Seit Anfang des Jahres laufen die Bauarbeiten in den zuletzt von der Santander Bank genutzten Räumen. Gleich zu Beginn standen die Arbeiter vor einem gewichtigen Problem. Denn im Keller des ab 1908 als Bankhaus Werthauer errichteten Gebäudes befanden sich zwei große Tresorräume mit 70 Zentimeter dicken Betonwänden. „Die Tresore waren seit mehr als drei Jahrzehnten nicht genutzt worden und niemand hatte einen Schlüssel“, sagt Architekt Lucius Ladleif. Mit einer langwierigen Kernbohrung gelangten die Arbeiter ins Innere und schweißten dann die Tür von innen auf. Dort stießen sie auf 1200 Schließfächer, die aus der Bauzeit der Bank stammten. Die Architekten versichern aber, dass alle Fächer leer gewesen seien.

Kassel: Die Bauarbeiten am ehemaligen Bankgebäude laufen

So soll es werden: Das Gebäude erhält wieder seine Putzfassade aus den 50er-Jahren. Illustration: Ladleif Architekten

Inzwischen sind die Tresorräume größtenteils abgebrochen, was nicht leicht war. „Wir haben die Wände in 750-Kilo-Stücke zersägt“, sagt Ladleif. Dieser Aufwand wird betrieben, um das Hochparterre auf Straßenniveau abzusenken, damit Gäste künftig ebenerdig vom Königsplatz in das Gebäude gelangen können. Bislang war das erhöhte Erdgeschoss nur über eine historische Treppe an der Ecke des Gebäudes erreichbar. Diese bleibt erhalten. Sie stammt wie der gesamte Sockel aus der Bauzeit und steht unter Denkmalschutz.

Ansicht von 1910: Das Bankhaus Werthauer eröffnete 1909 seinen Hauptsitz am Königsplatz.

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Kassel: Obergeschosse des Gebäudes durch Bombenangriff zerstört

Die Obergeschosse des Bankhauses waren bei einem Bombenangriff im Jahr 1943 zerstört worden. Noch heute sind die Spuren des Krieges an einem verbogenen Stahlträger erkennbar, der bei den Arbeiten freigelegt wurde.

Nach dem Wiederaufbau zunächst nur einstöckig: Damals war das Bankhaus von Wangenheim dort ansässig.

Auch stellten die Architekten fest, dass die Statik des Hauses zumindest fragwürdig war. Denn die historischen Stahlträger mussten über Jahrzehnte mehr Last tragen, als ursprünglich geplant. Nach dem Krieg war das Bankhaus zwar zunächst nur einstöckig wiederaufgebaut worden, dann kamen aber weitere Etagen hinzu und es wurde letztlich ein Stockwerk höher als ursprünglich. An den Trägern wurde seinerzeit aber nichts verändert. Zum Nachweis der Statik mussten deshalb nun die Träger verstärkt werden.

Neben dem Umbau im Inneren wird sich die Fassade verwandeln, die in den 80er-Jahren mit historisierenden Natursteinplatten verkleidet wurde. Das Haus erhält in Absprache mit dem Denkmalschutz seine Putzfassade aus den 50er-Jahren und neue Fenster. In vier Wochen kommen Gerüste. Die Mieter in den Obergeschossen können ihre Räume weiter nutzen. (Bastian Ludwig)

An der Zentgrafenstraße in Kassel-Kirchditmold startet ein Paar aus Sizilien mit einem neuen Restaurant. Zuvor war dort die Trattoria Pippo zu finden.

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