Prostitution in Ihringshäuser Straße

Aus für Kasseler Bordell von Kagida-Chef Viehmann

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Doppelhaushälften mit verschiedener Nutzung: In dem Haus links leben junge Flüchtlinge, im Haus rechts daneben wurde der Bordellbetrieb „Haus 30“ eröffnet. Foto:  Pflüger-Scherb

Kassel. Der Pegida-Funktionär Michael Viehmann warb mit der documenta um Prostituierte für sein Bordell an der Ihringshäuser Straße. Die Stadt hat die Prostitution in der Doppelhaushälfte jetzt verboten.

Mit der documenta lässt sich Geld verdienen. Vor allem Hoteliers, Gastronomen und Geschäftsleute freuen sich auf die weltweit größte Kunstausstellung, die am 10. Juni in Kassel eröffnet wird. In diesem Jahr wollte wohl auch Michael Viehmann, Gründer des Kasseler Ablegers der islamfeindlichen Pegida-Gruppierung Kagida, von der Ausstellung profitieren. Seine Karriere als Rotlichtunternehmer ist aber wohl gescheitert.

Er eröffnete mit Partnern an der Ihringshäuser Straße 30 (Fasanenhof) einen Bordellbetrieb, das sogenannte „Haus30“. Dort konnten bislang Prostituierte Appartements mieten. Im Internet hat Geschäftsführer Viehmann nicht nur mit der guten Lage des Bordells mit Straßenbahnhaltestelle und 24-Stunden-Tankstelle vor der Tür geworben, sondern auch mit der Kunstausstellung, zu der über eine Million Besucher aus aller Welt nach Kassel kämen.

Das „Haus 30“, dessen Geschäftsführer vor einem Jahr wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt worden ist, gibt sich auf der Internetseite ganz international. Neben Deutsch wird in acht weiteren Sprachen für das Anmieten der Appartements geworben. Mit documenta-Besuchern, die sich in Kassel nicht nur an der Kunst, sondern auch mit Sexarbeiterinnen erfreuen wollen, wird Viehmann allerdings im „Haus 30“ kein Geld verdienen. Denn die Stadt hat ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Kartenansicht: Der Bordell-Standort

Nachdem die Stadt kürzlich Kenntnis von dem Bordell erhalten habe, habe die Bauaufsicht entsprechende Schritte eingeleitet, so Sprecher Michael Schwab auf Nachfrage. „Denn eine Genehmigung der Bauaufsicht für diese Nutzung liegt nicht vor. In einem allgemeinen Wohngebiet ist gewerbliche Prostitution unzulässig.“ Dem Betreiber des Bordells in der Ihringshäuser Straße 30 sei mitgeteilt worden, dass er den Laden schließen müsse, so Schwab. Dieser habe nach Schilderung der Rechtslage zugesichert, „die unzulässige Nutzung umgehend zu unterlassen“. Bei einer ersten Überprüfung durch die Stadt sei kein Verstoß gegen das Bordellverbot festgestellt worden. Die Bauaufsicht werde das Haus aber weiterhin im Blick haben.

Ob Viehmann und seine Partner gegen die Nutzungsuntersagung vor dem Verwaltungsgericht klagen werden, ist nicht bekannt. Viehmann erklärte gegenüber unserer Zeitung am Telefon: „Kein Kommentar zur Presse. Danke und auf Wiederhören.“

Die Nachbarn seines Bordells werden hingegen froh über die Entscheidung der Stadt sein. Besonders brisant ist nämlich, dass in der Doppelhaushälfte neben dem Bordell junge Flüchtlinge untergebracht worden sind.

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