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Aus für Modemarke: Cos verlässt die Königs-Galerie

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Von: Axel Schwarz

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Modekette Cos verlässt die Königs-Galerie in Kassel und verschärft damit den Leerstand in der Einkaufsmeile. Die Suche nach einem Nachmieter gestaltet sich schwierig.

Kassel – Eine ganze Reihe von leerstehenden oder zweckentfremdeten Läden fällt derzeit vor allem in den oberen Bereichen der Königs-Galerie in Kassel auf. Wo einst mehrheitlich exklusive Modemarken den Ton angaben, sind etliche der belegten Ladenlokale mit Aktivitäten wie Handyshops, Haar- und Nagelpflege oder Bubble-Tea-Verkauf unterwegs.

Das Einkaufsflair in dem Haus, das vor 25 Jahren als eine der schönsten Shopping-Galerien Europas ausgezeichnet wurde, hat sichtlich gelitten. Und jetzt steht auch noch ein zugkräftiger Magnet-Mieter vor dem Absprung, der auf großer, zweistöckiger Fläche eine der prominentesten Bereiche beim Haupteingang belegt.

Königs-Galerie Kassel sucht Nachmieter: Modekette Cos schließt aus „wirtschaftlichen Gründen“

Die Modekette Cos wird zum Jahresende schließen. Das bestätigte das Unternehmen H&M, zu dem Cos als gehobene Linie gehört, auf Anfrage der HNA, nachdem Kunden es bereits vom Verkaufspersonal gehört hatten. „Wirtschaftliche Gründe“ wurden in der sehr knappen Auskunft geltend gemacht. Die Filiale habe aktuell 13 Mitarbeitende. Wie es für das Personal weitergeht, wurde nicht mitgeteilt.

Von Heinz Schäffer, Manager der Königs-Galerie, waren einige Hintergründe zu erfahren. 2016 war Cos nach aufwändigen Umbauten mit einem Zehn-Jahres-Vertrag in die Galerie eingezogen. Laut Schäffer hatte sich die Modekette allerdings eine Ausstiegsklausel nach der Hälfte der Zeit ausbedungen. Diese Option habe Cos im vergangenen Jahr gezogen, „weil sich die Umsatzerwartungen nicht so erfüllt haben wie erhofft“.

So weit das Auge reicht: Für Cos war die zweigeschossige Ladenfläche vor sechs Jahren aufwändig hergerichtet worden. Der zurzeit leer stehende Laden mit „Gant“-Werbung am Fuß der Rolltreppe gehört nicht dazu.
So weit das Auge reicht: Für Cos war die zweigeschossige Ladenfläche vor sechs Jahren aufwändig hergerichtet worden. Der zurzeit leer stehende Laden mit „Gant“-Werbung am Fuß der Rolltreppe gehört nicht dazu. © Axel Schwarz

Dafür möge auch die Pandemie eine Rolle gespielt haben, so Schäffer. Cos habe sich die Sache aber noch etwas offen gehalten und 2021 entschieden, „noch mal für ein Jahr ins Risiko zu gehen und zu schauen, wie sich alles entwickelt“. Offenbar nicht entscheidend zum Besseren: Seit etwa Mai wisse der Galeriebetreiber HT, dass Cos über den Jahreswechsel hinaus nicht weitermachen wird. Man hoffe und arbeite mit Hochdruck daran, für die prominente große Ladenfläche einen adäquaten Nachmieter zu finden und die Leerstandszeit möglichst kurzzuhalten, sagte Schäffer.

Kassel: Königs-Galerie hofft auf großen Namen als Nachfolger – doch Nachfrage ist „dramatisch gesunken“

„Wir haben eine gute Idee und es gibt auch bereits Gespräche.“ Das Ziel sei, wieder eine klangvolle Marke aus dem Modebereich zu gewinnen, von deren Zugkraft die Galerie profitieren könne. Schäffer gibt sich optimistisch, dass das gelingen kann. Zugleich macht der Galeriemanager klar, dass die Neuvermietungs-Perspektiven auf diesem Einzelhandelssektor kaum je so ungünstig waren wie zurzeit.

„In den zwei Jahren vom Beginn der Corona-Pandemie bis Ende 2021 hatten wir immerhin gut 30 Vertragsabschlüsse gemacht“ – also entweder neue Mieter gewonnen oder solche mit auslaufendem Vertrag zum Bleiben bewegt. Bereits die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben für großen Leerstand in Kasseler Einkaufsgalerien gesorgt. Seit dem Krieg in der Ukraine mit vielfältigen ökonomischen Dämpfern und Unsicherheiten als Folge sei die Nachfrage nach Mietflächen in der Königs-Galerie jedoch „dramatisch gesunken“.

Großer Leerstand in Kassel: „Ein Flächenbrand, der allen wehtut“

Das gelte analog im gesamten innerstädtischen Einzelhandel. Gerade sei aktuell im Vorstand der City-Kaufleute über das Thema beraten worden, sagt Schäffer. Man habe aktuell 58 Geschäfts-Leerstände im Innenstadtbereich registriert: „Das ist ein Flächenbrand, der allen wehtut.“ Nicht einem florierenden Einzelhandel, sondern einer Kunstausstellung war es zuletzt zu verdanken, dass die Innenstadt von Kassel aufblühte.

Die wenigsten Einzelhändler, Neugründer oder Franchisenehmer würden sich derzeit überhaupt trauen, nach Ladenräumen anzufragen. „Und wer es doch tut, will sich erst mal nicht länger als ein Jahr vertraglich binden.“ Für Betreiber von Einkaufsstätten wie der Königs-Galerie sei das eine Zwickmühle: So ein Haus müsse einerseits zwecks Kostendeckung ausgelastet, andererseits mit einer gewissen Attraktivität bespielt werden. Schäffer: „Vermieten um jeden Preis funktioniert auch nicht.“

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