Angebot und Nachfrage nach Plätzen stimmen nicht überein

Ausbildung: Bewerber gingen häufig leer aus

Beliebtes Berufsbild: Wie die Handwerkskammer berichtet, gehört das Friseurhandwerk zu den gefragtesten Ausbildungen bei den Jugendlichen in der Region. Foto: dpa

Kassel. Bei vielen Jugendlichen aus Stadt und Landkreis lief die Ausbildungsplatzsuche erfolglos. Von den 3065 jungen Männern und Frauen, die mithilfe der Arbeitsagentur Kassel eine Ausbildung suchten, fanden nach den aktuellsten Zahlen der Agentur nur 1450 eine Stelle. Die Gründe dafür liegen aus Sicht der Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer vor allem an einem zu eingeschränkten Berufswunsch der Bewerber. Aus Sicht der DGB-Jugend und der Arbeitsagentur müssen die Betriebe ihre Bewerberansprüche aber auch herunterschrauben.

Für André Schönewolf, Bildungsreferent im DGB-Jugendbüro, sprechen die Zahlen eine klare Sprache: „Die Argumentation von Betrieben, die den Fachkräftemangel mit zu wenigen geeigneten Bewerbern erklären, greift zu kurz.“ Wenn über die Hälfte keinen Platz finde, könne dies nicht allein mit einer unzureichenden Ausbildungsreife erklärt werden. Ein Blick auf die Daten der Arbeitsagentur zeigt, dass drei Viertel der suchenden Jugendlichen mindestens einen Realschulabschluss vorweisen können. Die Unternehmen seien selbst gefordert, die begehrten Fachkräfte auch auszubilden, sagt Schönewolf.

Fehlende Flexibilität

Auf Nachfrage bei Handwerks- sowie Industrie- und Handelskammer (IHK) heißt es, dass die schulische Qualifikation auch nicht das alleinige Problem sei. „Angebot und Nachfrage passen nicht zusammen“, sagt IHK-Pressesprecher Andreas Nordlohne. So würden sich die Jugendlichen bei ihren Bewerbungen auf einzelne, wenige Berufsfelder konzentrieren. Für den bürokaufmännischen Bereich gebe es deshalb ein Überangebot an Interessenten, während diese etwa für die Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice fehlten. Weiteres Hemmnis sei eine zum Teil fehlende Mobilität. Jugendliche seien oft nicht bereit, für eine Ausbildung zum Beispiel in einen Nachbarlandkreis zu ziehen.

Bei der Handwerkskammer wird ähnlich argumentiert. „Fast 90 Prozent der Bewerbungen gehen für die zehn beliebtesten Berufe ein“, sagt Barbara Scholz, Pressesprecherin der Kammer. Zu diesen gehörten etwa Kfz-Mechatroniker, Tischler und Friseure. Auf der anderen Seite fehlten die Auszubildenden in den Metzger- und Bäckereien.

Bedürfnisse des Marktes

Auf diese Weise fänden nicht alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz. „Dafür bilden wir an den Bedürfnissen des Marktes aus und es bestehen gute Chancen, dass die jungen Menschen auch einen Job finden“, sagt Scholz. Deshalb fordere die Handwerkskammer Ausbildungssuchende immer wieder auf, sich auch verwandte Ausbildungen im Umfeld ihres Traumberufs anzusehen. Im August waren noch 600 Ausbildungsplätze im Bezirk der Arbeitsagentur Kassel unbesetzt.

Von Bastian Ludwig

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