Testrunde mit dem Rad des Verleihsystems, das Ende September starten soll

Ausfahrt mit Konrad

Mobil auf zwei Rädern: Theresa Maiwald vom Straßenverkehrs- und Tiefbauamt (links) und HNA-Redakteurin Katja Rudolph bei der Probefahrt. Die 500 Fahrräder des Verleihsystems werden so aussehen wie das grün-weiße vordere Fahrrad. Foto:  Herzog

Kassel. Konrad hat nur eine knappe Stunde Zeit. Gleich steht noch ein Fototermin an. Und in den nächsten Tagen folgen umfangreiche Belastungstests. Denn in einigen Wochen sollen Konrad und seine 499 Namensvettern fit sein für Kassels Straßen und Radwege. Konrad, so heißt das Fahrrad des städtischen Verleihsystems, das Ende September starten soll.

Also auf in den Sattel für eine Proberunde. Dazu muss ich erst mal den Sattel höher stellen, um bequem in die Pedale treten zu können. Der Schnellspanner ist leicht zu bedienen, nach ein paar Sekunden sind Konrad und ich vor dem Straßenverkehrsamt an der Friedrichsstraße startklar.

Ein Dreh an der Gangschaltung, die man am rechten Lenkerbügel bedienen kann, und der Tritt fällt bei der Steigung auf der Oberen Königsstraße hin zum Weinbergplateau leicht. Die stufenlose Schaltung, die in ihrer Leistung etwa zehn Gängen entspricht, ist toll: Kein Klacken, kein hastiges Schalten von Gang zu Gang, leise schnurrt Konrad den Berg hoch.

Auch das Kopfsteinpflaster auf der Weinbergstraße federt das Fahrrad des Schweizer Herstellers Simpel gut ab. Ich hoppele nicht im Sattel auf und ab, und zittrige Arme vom Lenkerfesthalten bekomme ich auch nicht.

Aber wo ist eigentlich die Fahrradklingel? Erst nach längerem Ausprobieren verstehe ich, dass man neben einem goldfarbenen Reifen am Lenker drehen muss, damit es bimmelt. Wenn man es einmal weiß, eine gute Lösung.

Rollenbremse

Beim Bergabfahren auf dem Schlangenweg habe ich zunächst das Gefühl, dass die Bremsen nicht richtig greifen. Das liegt an der sogenannten Rollenbremse, die direkt an der Radnabe sitzt. Deshalb spürt der Fahrer nicht wie bei Felgenbremsen den Zugriff der Bremsbacken. „Trotzdem ist punktgenaues Bremsen möglich“, erklärt Theresa Maiwald vom Straßenverkehrsamt. Vorteil der Rollenbremsen sei, dass sie fast wartungsfrei sind.

Bequem rolle ich weiter über den Philosophenweg. Jetzt kann ich die Gangschaltung bis ans untere Ende testen und kräftig in die Pedale treten. Kurz darauf heißt es strampeln parallel zur Frankfurter Straße den Weinberg hinauf - die Schaltung ist prima, meine Kondition weniger. Auf der Hälfte muss ich absteigen - und merke, dass Konrad ein Schwergewicht ist. Die fast 25 Kilogramm den Berg hochzuschieben, ist richtig anstrengend. Und weil das kiloschwere elektronische Schloss am Hinterrad sitzt, fällt es besonders ins Gewicht. Dafür ist Konrad mit seinem Stahlrahmen stabil und gegen Vandalismus gewappnet.

Auf den Herkules, wo auch eine der 50 Stationen des Verleihsystems eingerichtet wird, werde ich mit ihm definitiv nicht fahren. Aber bergab wäre es ein echtes Vergnügen.

Fazit: ein komfortables Stadtfahrrad, mit dem man aber keine sportlichen Höchstleistungen vollbringen kann.

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Von Katja Rudolph

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