Hoher Krankenstand bei der Post

Anwohner der Kasseler Querallee warteten tagelang auf Post

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Anwohner der Querallee haben in den letzten Wochen vergeblich auf Briefe und Pakete gewartet: Schuld daran ist ein außergewöhnlich hoher Krankheitsstand bei der Post.

Kassel. Sieben Tage keine Post – das ist besonders dann ärgerlich, wenn dadurch Termine verpasst werden. So geschehen bei Rechtsanwältin Jacqueline Greinert und anderen Anwohnern der Querallee in Kassels Vorderem Westen.

Sie erhalten seit mehreren Wochen unregelmäßig oder in letzter Zeit gar keine Post mehr. Antwort auf ihre Beschwerden erhalten sie nicht.

Schon nach den ersten Tagen ohne Briefkasteninhalt wurde Greinert aufmerksam und hat reagiert. „Aber scheinbar läuft bei dem Beschwerdemanagement der Post etwas falsch“, stellt die Anwältin fest. Der Anruf beim Kundentelefon der Deutschen Post blieb jedenfalls ergebnislos.

Jacqueline Greinert

Als die Post schließlich wieder eintrudelte, kam sie in Massen – eine Woche rückwirkend auf einen Schlag, berichtet die Juristen. Leider waren auch wichtige Dokumente dabei, die vom Postboten nicht ordnungsgemäß abgegeben wurden. Denn für bestimmte amtliche Schriftstücke, wie einer Postzustellungsurkunde, ist eine förmliche und persönliche Zustellung vorgesehen“, erklärt die Juristen. Trotz Beschwerden, sei eine Klärung der Vorfälle bislang nicht erfolgt, so Greinert.

Hoher Krankheitsstand

Die Post reagiert auf HNA-Anfrage weitgehend ratlos. Es sei nur schwer nachvollziehbar, dass es über einen so langen Zeitraum keine Zustellung gegeben haben soll, erklärt Heinz-Jürgen Thomeczek, Post-Pressesprecher.

Wahrscheinlich liege es an einem außergewöhnlich hohem Krankenstand. Üblicherweise müssen die Kollegen der benachbarten Zustellbezirke die Post des Erkrankten am ersten Tag mit zustellen. Da sie aber eine Arbeitszeit von zehn Stunden am Tag nicht überschreiten dürfen, könne es sein, dass sie die Zustellung nicht überall schafften. Das müsse dann am nächsten Tag erfolgen. Und: „Aushilfen schaffen oft nicht das gleiche volle Pensum“, fügt Postsprecher Thomas Kutsch hinzu.

Um Ausfälle weitestgehend abdecken zu können seien in Kassels 47 Postbezirken 60 Zusteller für die Deutsche Post unterwegs. „Wir haben einen Vertreterpool, aber auch der ist irgendwann erschöpft“, sagt Kutsch. Mit drei neuen festen Stellen sei das Zustellerteam aktuell verstärkt worden. Damit seien die Probleme passé. Dennoch dürfe so etwas natürlich nicht passieren, entschuldigt sich der Pressesprecher.

Dass die Post ein strukturelles Problem und zu wenig Personal haben könnte, verneinte Thomeczek: Die Personaldecke sei so ausgelegt, dass die Zustellbezirke in der vorgeschriebenen Arbeitszeit von wöchentlich 40 Stunden abgearbeitet werden könnten. Und Kutsch ist sicher, dass es sich hier nur um Einzelfälle handele. Mehr als 90 Prozent hätten ihre Sendungen pünktlich erhalten.

Das sagt Ver.di

Auf den Krankenstand bei der Deutschen Post angesprochen, antwortet Eva Völpel, Pressesprecherin der Gewerkschaft ver.di-Bundesverwaltung: „Der Krankenstand liegt bei der Deutschen Post AG im Jahresmittel zwischen acht und neun Prozent. Die Arbeit als Zusteller ist ein Knochenjob und die Personaldecke ist – wie bei vielen anderen Unternehmen auch – auf Kante genäht. Aus Sicht von Ver.di ist ein funktionierender Gesundheitsschutz unerlässlich. Aktuell kritisieren wir den hohen Anteil rund von 15 Prozent an befristeten Beschäftigten bei der Deutschen Post AG. Arbeit ist genügend da. Wir erwarten, dass das Unternehmen den Menschen eine Perspektive bietet und sie dauerhaft einstellt.“ (mel/hei)

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