Ab Dezember

Neue Gebühren, minutengenaue Abrechnung - Das soll sich beim Parken in Kassel ändern

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Hier müssen Autofahrer künftig nur noch bis 18 Uhr einen Parkschein lösen: Ab Dezember wird die Gebührenordnung der Stadt verändert. Dadurch muss etwa auf der Friedrich-Ebert-Straße nicht länger bis 20 Uhr ein Parkschein gezogen werden. 

Kassel. In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und die Liberale Liste versprochen, die 2015 angehobenen Parkgebühren wieder zu senken. Am Mittwoch wurde nun ein Konzept dazu vorgelegt.

Das sieht zwar keine direkten Tarifsenkungen vor, sorgt dafür aber durch eine Reduzierung der gebührenpflichtigen Zeiten für eine Entlastung der Autofahrer. Zudem soll über das Handy-Parken künftig minutengenau abgerechnetes Parken möglich sein. 

Wenn die Stadtverordneten im November grünes Licht geben, werden die gebührenpflichtigen Zeiten in der Parkzone II, die sich über den Bereich Friedrich-Ebert-Straße, Vorderer Westen und Teile von Nord-Holland und Wesertor erstreckt, ab 1. Dezember auf 9 bis 18 Uhr begrenzt. Bisher musste dort bis 20 Uhr ein Ticket gelöst werden. 

„Wer abends im Vorderen Westen ein Restaurant besucht, muss nicht länger für das Parken zahlen“, benennt Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD) einen Vorteil. Er geht davon aus, dass allein diese Änderung die Autofahrer insgesamt um 400 000 Euro entlasten wird. 

Im Zentrum sei der Parkdruck abends zu groß

Im Zentrum müssen weiter Parkscheine von 9 bis 20 Uhr gezogen werden. „Dort ist der Parkdruck abends zu groß“ sagt Stochla. Zudem gebe es dort Tiefgaragen und Parkhäuser als günstigere Alternativen. Ohnehin machten die 876 oberirdischen Parkplätze in der City, auf deren Gebühren die Stadt direkten Einfluss habe, nur ein Fünftel der dort verfügbaren 4252 öffentlich nutzbaren Parkplätze aus. Zudem will das Verkehrsdezernat über das bereits eingeführte Handy-Parken ab Dezember eine minutengenaue Abrechnung ermöglichen. 

Der Autofahrer drückt in der App (Travipay) nach dem Parken auf Start, und wenn er den Parkplatz räumt, drückt er auf Stopp. So wird nur die tatsächliche Parkzeit berechnet. Ab Oktober soll bereits eine neue Kasseler Parkkarte eingeführt werden, die günstige Tarife in vielen Parkhäusern bietet.

So läuft das Parken in Kassel ab Dezember.

Wie die Entlastung bei den Parkgebühren aussehen soll

Als die Stadt Kassel 2013 unter den Schutzschirm des Landes Hessen schlüpfte und so eine millionenschwere Schuldenlast loswurde, musste sie im Gegenzug den städtischen Haushalt aufbessern. So wurde eine deutliche Parkgebührenerhöhung beschlossen, die ab 2015 griff. 

Nachdem Kassel den Schutzschirm wieder verlassen hatte, versprachen die Koalitionspartner SPD, Grüne und Liberale Liste eine Entlastung bei den Parkgebühren. Diese soll ab Dezember greifen und sieht nun wie folgt aus:

Tarife

Die eigentlichen Tarife bleiben unverändert. So sind im Zentrum auf den oberirdischen Parkplätzen weiterhin zwei Euro pro Stunde fällig. Eine generelle Absenkung sei nicht sinnvoll, sagte Verkehrsdezernent Dirk Stochla (SPD). Die Kasseler Parkgebühren seien im Vergleich mit anderen Städten nicht besonders hoch und sie hätten zudem eine steuernde Funktion.

So sei es auch im Sinne vieler Innenstandhändler, auf den oberirdischen Parkplätzen keine Dauerparker zu haben. So gebe es für Kunden, die kurze Erledigungen machen wollen, immer genug Parkraum. Für alle anderen stünden die günstigeren Parkhäuser und Tiefgaragen zur Verfügung. Deren durchschnittliche Auslastung liegt bei ungefähr 40 Prozent – bietet also noch Spielräume nach oben.

Zudem hätten sich die Autofahrer an die neuen Gebühren gewöhnt, so Stochla. So bewegt sich die Zahl der Parkenden auf den oberirdischen Parkplätzen seit vielen Jahren konstant bei um die 300 000 pro Monat. Einen kleineren Einbruch gab es lediglich bei den innerstädtischen Parkplätzen.

Gebührenzeiten

Die nun geplante Entlastung der Autofahrer erfolgt vor allem über den Weg der gebührenpflichtigen Zeiten. Diese werden mit Ausnahme des Zentrums und der Pendlerparkplätze (Leistersche Wiese und Graf-Bernadotte-Platz) auf den Zeitraum von 9 bis 18 Uhr beschränkt. Die kommt nicht nur Restaurantbesuchern zu Gute, sondern auch Anwohnern, die dort nun leichter einen Parkplatz finden.

Durch die Reduzierung der Gebührenzeit geht die Stadt von Mindereinnahmen von etwa 400 000 Euro aus. Bislang verdient die Stadt jährlich gut sieben Mio. Euro an der Parkraumbewirtschaftung.

Minutengenaue Gebühr

Zwölf Prozent der Autofahrer nutzen bereits das Handy-Parken in Kassel. Durch eine Verbesserung der App (Travipay) müssen Nutzer künftig nur noch für die tatsächliche Parkzeit bezahlen. Der Nutzer drückt in der Smartphoneanwendung selbst Start und Stopp. Bislang muss – wie auch bei Parkscheinen – eine Parkzeit vorausgewählt werden.

Sonderregel für E-Autos

Fahrer von E-Autos parken künftig auf allen städtischen Parkplätzen kostenfrei. Damit will die Stadt diese Antriebstechnologie fördern. Zudem sollen die Ladepunkte für E-Autos, auf denen das Parken für E-Autos bisher schon kostenfrei ist, entlastet werden. So wurden diese bislang häufig auch von E-Autos blockiert, die gar nicht geladen werden mussten.

Um die Infrastruktur für E-Autos zu verbessern, sollen in Tiefgaragen und Parkhäusern mehr Ladesäulen aufgebaut werden. An einen Ausbau der oberirdischen Ladesäulen ist nicht gedacht.

Soll im Oktober eingeführt werden: Mit der Parkkarte gibt es Rabatte in einigen Parkhäusern und Tiefgaragen. 

Kasseler Parkkarte

Die Stadt will bereits im Oktober die Kasseler Parkkarte einführen. Diese funktioniert ähnlich wie die Kö-Bonuscard, erfordert aber keine Anmeldung. Die Vorteile der neuen Karte: In den Parkhäusern Friedrichsplatz, Martinskirche und Garde-du-Corps-Platz parken die Nutzer die erste halbe Stunde kostenlos, jede weitere Stunde kostet einen Euro. Auch ist das Parken zwischen 18 bis 20 Uhr (Mo.-Sa.) frei.

In Gesprächen mit privaten Parkhaus- und Tiefgaragenbetreibern will die Stadt weitere Partner ins Boot holen. Weil die Karte unabhängig von einem Händler ist, hofft die Stadt, dass alle Händler das Angebot gemeinsam bewerben.

P+R-Parkplätze

In einem zweiten Schritt ist der Ausbau der Park and Ride-Parkplätze (P+R) in Kassel geplant. Dies soll bis 2025 erfolgen. Dabei will die Stadt auch das Gespräch mit den Umlandkommunen suchen, die ebenfalls animiert werden sollen, ihre P+R-Kapazitäten vor Ort zu erhöhen, damit die Pendler dort auf das ÖPNV-Angebot umsteigen.

Moderne Automaten

Ebenfalls Zukunftsmusik ist die Möglichkeit des bargeldlosen Bezahlens an den Parkscheinautomaten. Dies soll ebenfalls bis 2025 umgesetzt werden.

10.000 öffentliche Parkplätze

In Kassel werden 10.000 öffentliche Parkplätze bewirtschaftet. Davon liegen 876 im Zentrum und die übrigen in den anderen Bereichen der Stadt. Die oberirdischen Stellplätze im Zentrum machen nur ein Fünftel aller 4252 dort zur Verfügung stehenden Stellplätze aus. Die Parkhausgesellschaft bewirtschaftet ein Drittel der Tiefgaragen- und Parkhausplätze.  

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