Sigrid Braut- und Festmoden schließt Ende des Monats nach 41 Jahren

+
Prachtvolle Brautkleider. Nach 41 Jahren wird Sigrid Brautmoden an der Brüderstraße voraussichtlich zum Monatsende schließen. Inhaber Otto Martelleur wird aber die Hochzeitsmesse weiter organisieren. Foto:  Koch

Kassel. Wenn Otto Martelleur daran denkt, dass er das seit 1973 bestehende Geschäft „Sigrid Braut- und Festmoden“ an der Brüderstraße ausräumen muss, blutet ihm schon jetzt das Herz, wie er sagt. Dabei haben sich die mit Braut- und Festkleidern gefüllten Ständer schon etwa um die Hälfte geleert.

Nur noch knapp 300 Kleider für den schönsten Tag des Lebens oder einen unvergesslichen Ball warten darauf, bis zum Monatsende und jetzt zum halben Preis oder noch günstiger den Besitzer zu wechseln. Danach wird die Familie das Geschäft schließen. Die Änderungsschneiderei wird noch vier Wochen länger arbeiten.

„Unser Geschäft wird in Kassel fehlen“, sagt der 65-jährige Kaufunger. 400 bis 500 Bräute habe man Jahr für Jahr ausgestattet – „mitunter auch Töchter mit ihren Müttern, die hier selbst ihr Brautkleid gekauft hatten.“

Auf intensive und sensible Beratung habe man besonders Wert gelegt, sagt der Firmenchef: „Für jede Frau ist der Brautkleidkauf doch völliges Neuland.“ Da werde viel probiert und überlegt. Am Ende müsse sich die Frau in ihrem Kleid wohlfühlen, „und ich muss mit ruhigem Gewissen sagen können: So kannst Du sie gehen lassen.“

Jetzt verabschieden sich Otto Martelleur und Ehefrau Ursula von ihrem Lebenswerk. Ein potenzieller Nachfolger sei aus gesundheitlichen Gründen leider abgesprungen. Eine kleine Hoffnung haben die Geschäftsleute aber noch, dass sich kurzfristig doch noch jemand findet und es mit „Sigrid Brautmoden“ weitergeht.

Angefangen hatte alles 1973, als aus der 1963 in Kaufungen gegründeten elterlichen Manufaktur für festliche Kleider ein Einzelhandelsgeschäft als Ableger entstand. Namensgeberin war Otto Martelleurs Schwester Sigrid Heins.

Die Produktion, in der zeitweise 35 Leute beschäftigt worden seien, gab die Familie 1990 auf. Die Rohware wie hochwertige Stoffe sei teurer gewesen als fertige Kleider aus Fernost, sagt Martelleur.

Das Internet habe sich als Konkurrenz für den Einzelhandel indes noch nicht wirklich durchsetzen können. Er kenne einige Kundinnen, die am Ende böse Überraschungen erlebt hätten, weil sie zusätzlich Fracht, Zoll sowie Mehrwertsteuer zahlen mussten und das Kleid am Ende doch nicht passte.

Brautkleider müssten probiert und gegebenenfalls angepasst werden, rät Martelleur, der die Kasseler Hochzeitsmesse weiter organisieren und dort noch mehr Herzblut hineinlegen will.

Und er möchte mehr Zeit haben, mal etwas anderes zu machen, als tagtäglich im Laden zu stehen: „Aus der Mühle möchte ich gerne raus“, sagt er und freut sich unter anderem auf mehr Zeit für seine vier Enkelkinder

Von Martina Heise-Thonicke

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.