Zu weit von Innenstadt entfernt

Aussteller sauer: Geringe Besucherzahl bei Landesausstellung

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Kaum Kunden: Stephan Hölscher bietet auf der Landesausstellung in den Messehallen Bücher an. Verkauft hat er allerdings kaum welche, weil die Besucherzahl so gering ist. 

Kassel. Viele Aussteller der Landesausstellung in den Messehallen sind sauer, weil die Besucherzahlen bisher deutlich unter den Erwartungen der Aussteller liegen.

Laut Dagmar Braun, Sprecherin der Hessischen Staatskanzlei, lagen die Besucherzahlen an den bisherigen Tagen weit unter 10.000. Der besucherstärkste Tag war der Sonntag mit etwa 15.000 Besuchern.

Theo Berukel aus Holland bietet an seinem Stand Unterwäsche für Damen und Herren an. Für 4000 Euro hat er Ware eingekauft, 3000 Euro (120 Euro pro Quadratmeter) zahlt er für seinen Standplatz in der Haupthalle. „In vier Tagen habe ich 300 Euro Umsatz gemacht“, sagt er. Das liegt weit unter dem, was er normalerweise bei Messen umsetzt. Die Landesausstellung liege zu weit von der Innenstadt, dem Haupttreiben, entfernt.

Auch Stefan Hölscher vom „Bücher Outlet“ ein paar Stände weiter hat mit 3000 Euro in vier Tagen zwar etwas mehr umgesetzt als Berukel. Aber auch das liege deutlich unter dem, was sich für ihn rechne. Auch er zahlt allein 3000 Euro Standgebühren. „Man hätte den Menschen mit einem guten Rahmenprogramm und Aktionen einfach mehr bieten müssen“, sagt er, wenn die Ausstellung schon so weit „ab vom Schuss“ liege. Außerdem seien die Parkgebühren mit sieben Euro sehr üppig. Auch die Aufteilung der Stände kritisiert er: „Man hätte eine Art zentralen Marktplatz einrichten müssen.“

Volles Sortiment, wenig Besucher: Theo Berukel hat in vier Tagen nur 300 Euro umgesetzt.

In Halle 13, deren Eingang man leicht übersehen kann, bietet Renate Quapil Käse aus dem Allgäu an. „Es ist eine Katastrophe“, sagt sie. „Viele überlegen, ob sie die Ausstellung abbrechen.“ Sie will bleiben. „Halte durch“, hatte ihr Chef am Telefon zu ihr gesagt. Auf Initiative der Aussteller habe die Messe zumindest die Beschilderung zur Halle 13 etwas verbessert. Mehr Besucher seien dadurch aber nicht in die Halle gekommen. Ein Aussteller, der Reinigungsmittel für Brillen anbietet, findet drastische Worte: „Die Organisatoren haben einen großen Fehler gemacht.“ Die Ausstellung liege zu weit von der Hessentagsstraße entfernt. „Die Landesausstellung beim Hessentag in Oberursel lief dagegen top“, sagt er.

„Die Hallen sind schön, aber der Besuch ist sehr schleppend“, resümiert Reiner Helm vom Bahnshop der Deutschen Bahn (DB). Seine Erklärung dafür: „Die Distanz zur Innenstadt ist einfach zu groß.“

Das ist auch für Messe-Chef Ralf-U. Umbach der Hauptgrund für den spärlichen Besuch. „Das schöne Wetter kommt erschwerend hinzu“, sagt er. Außerdem seien die Parkgebühren mit sieben Euro sehr hoch. Umbach: „Das lassen sich viele Besucher nicht gefallen.“ Zudem wirke die Brücke über die Straße als Zugang zu den Messehallen wie eine Barriere, die die Messehallen zusätzlich abschotte. (mkx)

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