Mann mit dem Auto

Ausstellung im Stadtmuseum: Fotograf Max Nehrdich kutschierte einst Philipp Scheidemann

Deswegen war er bei der Prominenz gefragt: Max Nehrdich 1911 mit seinem Adler, einem der ersten Autos im Stadtbild. Foto: Repro

Kassel. Er war nicht nur ein bekannter Fotograf, Max Nehrding hatte als einer von ganz wenigen Kasselern schon vor dem Krieg ein Auto. Jetzt ist er einer der Hingucker im Stadtmuseum.

Fotografiert hat Max Nehrdich Stars wie Schauspieler und Adelige. 45 Jahre lang arbeitete er als Bühnenfotograf des Stadttheaters Kassel. Dort sah er ab 1917 insgesamt 16 Intendanten kommen und gehen. Er fotografierte damalige Schauspielergrößen wie Gustav Oickert, Herta Storm und Auguste Scholz, aber auch der bekannte Musiker Richard Strauß, Asta Nielsen und Hans Albers zählten zu seinen Kunden. Besonders stolz erzählte er zeitlebens von seiner Begegnung mit der damaligen italienischen Königin Elena.

Deswegen war er bei der Prominenz gefragt: Max Nehrdich 1911 mit seinem Adler, einem der ersten Autos im Stadtbild. Foto: Repro

Nehrdich fuhr einen elfenbeinfarbenen Adler mit roten Lederpolstern. Es war die Attraktion. Mit dem Gefährt kutschierte er hin und wieder Kasseler Persönlichkeiten durch die Stadt, wenn ihn die Stadtverwaltung darum bat. So auch den damaligen Oberbürgermeister und Reichskanzler Philipp Scheidemann, denn der hatte damals noch kein Auto.

Wurde von Nehrdich kutschiert: Philipp Scheidemann.

1959 starb Max Nehrdich im Alter von 79 Jahren. Jetzt ist ein Ölgemälde vom ihm einer der Hingucker im Stadtmuseum. Dort kann der Besucher auch einen Blick in sein Atelier werfen, es ist auf einer Fototapete abgebildet. Mit dem ehemaligen Atelier des Fotografen in der Reginastraße 2/Ecke Querallee verbindet sich eine traurige Geschichte: Es wurde beim Bombenangriff auf Kassel 1943 zusammen mit einem Teil seiner Werke zerstört. Für Nehrdich muss das Fotografieren ein Traumberuf gewesen sein. Das verdeutlicht ein Zitat von ihm, das 1953 in den Hessischen Nachrichten erschien: „Wenn man etwas liebt, dann ist jede Minute schön, gleichgültig, ob sie Vergangenheit, Gegenwart oder erst Zukunft ist“.

Die Sonderausstellung „Hingucker“ ist noch bis zum 9. September im Kasseler Stadtmuseum zu sehen.

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