Immer mehr bulgarische Roma

Auswanderer-Kinder an Kassels Schulen: Viele sind Analphabeten

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Schulalltag: Alperen (links) und Hermann (beide acht Jahre) sind hochkonzentriert bei der Sache. Schreiben und Lesen lernen fällt den Grundschülern nicht schwer. Hannelore Siewert, Leiterin der Schule Am Wall, steht ihnen zur Seite.

Kassel. Nicht nur die Zahl der Flüchtlinge in Kassel steigt, sondern die der Zuwanderer-Familien insgesamt. In den Schulen spiegelt sich das an einem starken Zuwachs sogenannter Seiteneinsteiger-Schüler wider.

Das sind Kinder zugewanderter Familien, die während des laufenden Schuljahrs ohne Deutschkenntnisse in bestehende Klassen kommen.

In den ersten drei Monaten des aktuellen Schuljahrs 2012 /13 waren das nach Angaben von Dr. Ernst Purmann vom Staatlichen Schulamt insgesamt 240 Kinder. Damit sind es schon mehr als im gesamten Vorjahr: Im Schuljahr 2011 / 12 kamen 200 Kinder ohne deutsche Sprachkenntnisse an Kasseler Schulen. Im Schuljahr 2010 / 11 waren es 137 und im 2009 / 10 noch 72. „Das ist eine enorme Herausforderung, die die Schulen oft an ihre Grenzen bringt“, sagt Purmann. Allein die Grundschule Carl-Anton-Henschel-Schule unterrichtet zurzeit 85 Seiteneinsteiger-Kinder bei 420 Schülern insgesamt. Die Schule Am Wall besuchen 30 Auswanderer-Kinder (siehe Artikel unten).

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Da es sich bei den Seiteneinsteigern um Schüler mit unterschiedlicher, geringer oder oft nicht vorhandener schulischer Vorbildung handelt, stelle das Unterrichten die Schulen oft vor große Probleme. Sprachschwierigkeiten erschwerten zudem auch die Kommunikation mit den Eltern. Hilfreich sei da die Zusammenarbeit mit dem Migrationsdienst des Caritasverbands, sagt Purmann, der im Schulamt als Dezernent für das Aufnahme- und Beratungszentrum (ABZ) für neue Schüler aus anderen Ländern ab der 5. Klasse zuständig ist.

Das ABZ biete ein ganzes Paket an Hilfen an. So sind bis heute 60 Stellen innerhalb dieses Hilfssystems für Schüler eingerichtet worden. Für Fördermaßnahmen wie Vorlaufkurse, Intensivklassen und „Deutsch als Zweitsprache“ stehen 1600 Schulstunden zur Verfügung. Sie sollen bis zum Sommer weiter aufgestockt werden, sagt Purmann.

Die größte Gruppe der Seiteneinsteiger sind Roma-Kinder aus Bulgarien. Es waren im ersten Quartal des aktuellen Schuljahrs über 30 Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren, die aufgenommen wurden beziehungsweise deren Eltern an einer Beratung teilgenommen haben. Aufgrund der Freizügigkeit in der Europäischen Union werden Menschen aus Bulgarien nicht als Flüchtlinge geführt. Größtes Handicap dieser Kinder: Die wenigsten haben je eine Schule besucht, die meisten sind Analphabeten.

„Je älter die Schüler sind, desto schwieriger ist es, sie zu integrieren“, sagt Ines Mooshage, ABZ-Mitarbeiterin, die unter anderem Intensivkurse an der Carl-Schomburg-Schule gibt.

In Kasseler Schulen werden die bulgarischen Kinder zahlenmäßig gefolgt von der Gruppe afghanischer, somalischer und polnischer Kinder.

Von Christina Hein

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