Zwei Jahre nach Einführung steigt die Nachfrage nur langsam

Autofahrer weiter skeptisch bei E10

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Mehr Kunden, die E10 tanken: Kai Zufall hat an seiner Tankstelle in der Heiligenröder Straße einen 40-prozentigen Anstieg des Verkaufs.

Kassel. Der Marktanteil des umstrittenen Biosprits E10 ist im Jahr 2012 um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das geht aus den Zahlen des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hervor, teilte Alexander von Gersdorff, Pressesprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV) mit.

Damit macht E10 trotzdem nur 15 Prozent des bundesweit getankten Benzins aus. Lokale Zahlen gebe es nicht, sagte von Gersdorff.

Das Fazit zum Biokraftstoff fällt an drei freien Tankstellen in Kassel unterschiedlich aus: „Wir haben eine Steigerung von 40 Prozent bei E10 im Vergleich zum Vorjahr“, sagt Kai Zufall, Inhaber des Tank- und Waschparks in der Heiligenröder Straße. Die Zahl spreche dafür, dass die Skepsis gegenüber dem 2011 eingeführten Benzin mit dem höheren Bioethanol-Anteil langsam schwinde, sagt er.

600 bis 800 Liter E10 verkauft Zufall pro Tag. „Den Biosprit können die meisten Autos ohne Bedenken tanken“, sagt sein 71-jähriger Vater Helmut Zufall. „Schauen Sie doch mal nach Südamerika. Da fahren alle Autos mit wesentlich höherem Bioethanolanteil“, sagt er. Gleichzeitig sei im selben Zeitraum der Absatz von Superbenzin gefallen.

Das sagt der ADAC über E10

„Etwa neunzig Prozent der Fahrzeuge mit Ottomotor können laut Fahrzeugindustrie den Biokraftstoff bedenkenlos tanken“, sagte Susanne Martin, Pressesprecherin des ADAC Hessen-Thüringen. Die DAT (Deutsche Automobil Treuhand GmbH) habe die E10-Tauglichkeit von Pkw in einer Tabelle zusammengestellt. Diese stellt der ADAC online zur Verfügung: www.adac.de/e10 E10 in nicht dafür freigegebenen Fahrzeugen könnten aber zu ernsthaften Schäden führen, teilte die Sprecherin mit.

Zu einem anderen Ergebnis kommt dagegen eine aktuelle Umfrage des Energiehändlers Präg unter 91 seiner Tankstellen: Die Verbrauchszahlen stagnierten, teilte das Unternehmen mit Sitz in Bayern mit. Die Skepsis bliebe bestehen. Jeder zehnte Tankstellenbetreiber werde täglich mindestens einmal gefragt, ob der Sprit dem Motor nicht schaden könne. Nur ein Fünftel der Kunden fahre mit dem Biosprit. „Natürlich mussten wir anfänglich viel Aufklärungsarbeit leisten“, sagt Helmut Zufall. Das sei heute nicht mehr der Fall.

Dass die Befürchtungen vor möglichen Motorschäden weniger geworden sind, hat auch Tankstellenbetreiberin Mandy Adler festgestellt. An ihrer Agip-Tankstelle an der Sandershäuser Straße wird immer mehr E10 nachgefragt. „Das liegt daran, dass es günstiger ist“, sagt sie. Im Februar 2012 wurden 5500 Liter des Biosprits verkauft. Im Februar dieses Jahres waren es 6000 Liter.

Toni Abraham, Pächter der Elan-Tankstelle in Niederzwehren, teilt die Meinung der beiden Betreiber nicht: „E10 geht nicht gut“, sagt er. Die Kunden seien nach wie vor stark verunsichert. „Ich selbst tanke es auch nicht“, sagt er. Den Anteil der Kunden, die bei ihm das E10-Benzin tanken, schätzt der Pächter auf rund 15 bis 20 Prozent.

Von Max Holscher

Hintergrund: Einführung und Ziele

E10 enthält einen Anteil von fünf bis zehn Prozent Bioethanol. Der Kraftstoff wurde im Januar 2011 in Deutschland aufgrund der Erneuerbare-Energien-Richtlinie eingeführt. Jeder Mitgliedstaat muss laut Richtlinie im Jahr 2020 mindestens 10 Prozent seines Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor aus erneuerbaren Energiequellen decken. Die Einführung des Benzins wird von Mineralölkonzernen aber als „relativer Misserfolg“ gewertet, da man eigentlich mit einem Anteil von mindestens 80 Prozent gerechnet hatte. (mho)

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