Straßenbahn-Fahrer erzählt von seinem Alltag

Autofahrer wenden „gnadenlos“ über Schienen

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An seinem Arbeitsplatz: KVG-Straßenbahnfahrer Adrian Baumann arbeitet seit vier Jahren in seinem Beruf.

Die größte Sorge von Adrian Baumann ist es, an seinem Arbeitsplatz einen Menschen zu verletzten. Personenschaden heißt das im Jargon der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG).

Der 28-jährige Kasseler fährt seit vier Jahren Straßenbahn. Und zum Glück sei er mit seiner Bahn nur zweimal in kleinere Blechschäden verwickelt gewesen.

„Du versuchst immer voll aufmerksam zu sein, aber du kannst nicht mit allem rechnen“, sagt Baumann. Wenn es zu tödlichen Unfällen wie Ende Juli kommt, als ein 55-jähriger Fußgänger beim Überqueren der Holländischen Straße nicht auf die Bahn achtete und von dieser erfasst wurde, hängt das Baumann und seinen Kollegen nach. „Du fährst dann noch defensiver und denkst, auf keinen Fall soll mir das passieren“, sagt Baumann.

Der 28-Jährige beobachtet fast täglich, wie Autofahrer zu Wendemanövern über die Schienen ansetzen, ohne auf von hinten kommende Bahnen zu achten. „Gerade auf der Frankfurter Straße wird gnadenlos gewendet.“

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Beim Linksabbiegen über die Schienen passieren statistisch gesehen die meisten Unfälle mit den Straßenbahnen. „Selbst wenn ich sofort eine Gefahrenbremsung einleite, hat die Bahn einen Bremsweg von 50 Metern“, weiß der Tram-Fahrer. Eine solche dürfe er nur im Notfall machen, denn für die bis zu 160 Fahrgäste bestehe Verletzungsgefahr. „Ältere Leute stehen oft lange vor ihrer Haltestelle auf. Das erhöht die Sturzgefahr.“

Smartphones lenken ab

Besonders im Blick hat Baumann auch die Fußgänger. Viele blickten nur noch nach unten auf ihre Smartphones und registrierten die Bahnen nicht. Andere hätten Kopfhörer in den Ohren. Ganz unvermittelt träten sie dann auf die Gleise. Auf der Holländischen Straße und der Wilhelmshöher Allee nutzten zudem viele nicht die Überwege. Andere kämen an Haltestellen plötzlich hinter Bahnen hervor, die auf dem Gleis in der Gegenrichtung stehen. Gefährlich sei es auch auszusteigen und direkt vor der Bahn entlang zu laufen. All solche Situation erforderten besondere Aufmerksamkeit. „In der Königsstraße passiert am wenigsten – da ist jeder vorsichtig.“

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