Autohändler in Sorge

Mercedes-Niederlassung gehört künftig zu Hannover – Kritik vom Betriebsrat

+
Gehört künftig mit Hannover und Braunschweig zur Vertriebsdirektion Mitte: Die Mercedes-Benz- Niederlassung Kassel-Göttingen. Unser Foto zeigt die Zentrale in Kassel.

Kassel. Rolle rückwärts und Kommando zurück: Die bislang geplante Fusion der Mercedes-Benz-Niederlassungen Kassel-Göttingen und Fulda ist vom Tisch. Fulda wird im Rahmen der Neustrukturierung des Daimler-Vertriebsnetzes künftig der Vertriebsdirektion (VD) Rhein-Main mit Frankfurt, Mainz und Darmstadt zugeschlagen. Kassel-Göttingen wird mit Hannover und Braunschweig Teil der VD Mitte.

Während bundesweit 36 Standorte – darunter Goslar und Seesen – verkauft werden sollen, wird es im Bereich Kassel-Göttingen aus heutiger Sicht keine größeren Veränderungen geben. Niederlassungschef Detlef Barthelmes, der erst Anfang des Jahres von Fulda nach Kassel wechselte, erklärte auf Anfrage: „Ich will und werde hier bleiben.“ In welcher Funktion ist allerdings noch offen. Denn künftig soll es für Hannover, Braunschweig und Kassel-Göttingen einen obersten Vertriebsdirektor geben. Die Niederlassungen sollen aber weiterhin eigenständig arbeiten. Mercedes-Benz beschäftigt in Kassel 280 sowie je 100 Mitarbeiter in Göttingen und im neuen Lkw-Zentrum Lohfelden.

Betriebsrat und IG Metall befürchten, dass der nun eingeleitete Umbau der Vertriebsorganisation mit derzeit 33 Niederlassungen, 158 Standorten und rund 15 000 Beschäftigten der Anfang vom Ende des konzerneigenen Fahrzeugverkaufs ist. Denn der Stuttgarter Autobauer schließt nicht aus, dass nach Ablauf der Beschäftigungssicherung nicht nur Teilbetriebe, sondern auch ganze Niederlassungen veräußert werden. Hintergrund sind die verhältnismäßig hohen Kosten. Ein neuer Betreiber wäre nicht an die vergleichsweise hohen Personalkosten und Sozialstandards von Daimler gebunden.

Der Betriebsratsvorsitzende der Niederlassung Kassel-Göttingen, Frank Trampedach, kritisierte den „Rundumschlag ohne Not“. Schließlich schreibe der Mercedes-Benz-Vertrieb schwarze Zahlen. „Zerschlagung ist keine Zukunftsstrategie. Belegschaft und Betriebsräte werden das so nicht akzeptieren“, sagte er und forderte die sofortige Aufnahme von Gesprächen zwischen Gesamtbetriebsrat und Vorstand. IG-Metall-Sekretär Wolfgang Otto sagte den Beschäftigten tatkräftige Unterstützung zu und warf dem Vorstand vor, keine Rücksicht auf die Interessen der Betroffenen zu nehmen. So sollen bei der jetzt beschlossenen Vertriebsstruktur bundesweit 340 Stellen wegfallen.

Unternehmenssprecherin Konstanze Fiola erklärte, dass mit dem Umbau die optimale Betreuung der Kunden sichergestellt werde, der Vertrieb langfristig profitabel agieren könne und Arbeitsplätze gesichert würden. Hierzu gäbe es verschiedene Überlegungen, die „wir derzeit sehr konstruktiv und partnerschaftlich mit unseren Betriebsräten diskutieren“. Dazu zählten auch Fusionen und die Veräußerung einzelner Standorte. Für den Kunden ändere sich dadurch nichts. Den infrage stehenden Abbau von 340 Stellen wollte sie nicht kommentieren.

Von José Pinto

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.