Stadt verwirrt und kassiert

Automaten am IC-Bahnhof bieten Langzeitparken an

Ärgern sich über die Verwirrung der Autofahrer: Katharina Schacht (links) und Sandra Rohde vor einem Automaten hinter dem IC-Bahnhof. Dieser verkauft Tickets, die dort ungültig sind. Fotos: Ludwig

Kassel. Wer auf der Rückseite des IC-Bahnhofs sein Auto auf den Parkstreifen abstellt, dem macht die Stadt ein zweifelhaftes Angebot. Denn die dort aufgestellten drei städtischen Parkautomaten bieten auch Langzeitparktickets für bis zu fünf und bis neun Stunden an.

Wer sich aber ein solches Ticket zieht und hinter die Windschutzscheibe seines Autos legt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Denn Langzeitparken ist auf den Parkstreifen überhaupt nicht erlaubt.

Diese Erfahrung mussten auch Sandra Rohde und Katharina Schacht machen. Die beiden Frauen arbeiten in der Nähe des IC-Bahnhofs und parken dort regelmäßig. In den vergangenen Wochen haben beide mehrere Knöllchen bekommen. Erst waren die Kolleginnen verwirrt und glaubten an ein Missverständnis der Ordnungsbeamten. Auf Nachfrage bei der Stadt klärte sich die Ursache.

Denn die Stadt hat an den Parkstreifen, neben denen die Parkautomaten aufgestellt wurden, das Parken über zwei Stunden hinaus mit Schildern verboten. Es gibt keinen einzigen städtischen Langzeitparkplatz in der Umgebung. „Auf die Schilder hatte ich nie geachtet. Denn ich gehe normalerweise davon aus, dass die Parkscheine, die ich kaufen kann, auch gültig sind“, sagt Rohde. Vor allem Auswärtige würden dies annehmen.

Auf Nachfrage beim Ordnungsamt, wo sie ihre Autos mit den Langzeitparkscheinen abstellen dürfen, teilte das Amt mit, es gebe Parkplätze auf dem Graf-Bernadotte-Platz am Bundessozialgericht. Dieser liegt auf der anderen Seite des Bahnhofs, etwa fünf Autominuten entfernt von den Automaten. „Das kann ja wohl nicht wahr sein“, sagt Rohde. Sie fordert, dass die Stadt bei der verwirrenden Situation nachbessern müsse. Denn bislang werde der Autofahrer getäuscht.

Dass es anders geht, ist auf der Vorderseite des IC-Bahnhofs zu sehen. Dort ist nur Kurzparken bis eine Stunde erlaubt und auch die Parkscheinautomaten verkaufen nur solche Tickets.

Die Stadt rechtfertigt die Langzeitparkautomaten damit, dass sie sich in einer Gebührenzone befänden, in der nicht überall Langzeitparken verboten sei. Es gebe in weiterer Entfernung Parkplätze, auf denen Autos länger abgestellt werden dürften – etwa am Bundessozialgericht.

Zudem sei auf den Automaten vermerkt, dass Langzeitparkscheine nur auf den extra beschilderten Plätzen gelten.

Dieser Hinweis ist im Kleingedruckten und für viele übersehbar tatsächlich dort zu finden. Warum sich ein Autofahrer aber hinter dem Bahnhof ein Ticket ziehen sollte, um es mehrere Straßen weiter in sein Auto zu legen, konnte die Stadt nicht erklären. Dafür verwies sie darauf, dass auch auf der Friedrich-Ebert-Straße Tickets für das Langzeitparken verkauft werden, obwohl es dort nicht erlaubt ist.

Von Bastian Ludwig

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