Automatenbetrug: VW-Mitarbeiter gewinnen vor Gericht

Zigaretten ziehen und Karte aufladen: VW-Mitarbeiter bereicherten sich an zwei defekten Automaten im Kasseler Werk. Montage: Köberich

Kassel / Frankfurt. Acht mussten gehen, vier dürfen offenbar nun doch bleiben: Vier Mitarbeiter von VW Kassel in Baunatal, denen im Rahmen der Automatenaffäre gekündigt worden war, haben gegen ihren Arbeitgeber auch vor dem Landesarbeitsgericht (LAG) in Frankfurt gewonnen.

Das bedeutet, dass ihre fristlosen Kündigungen unwirksam sind. Nach Angaben von Wolfram Henkel, Sprecher des LAG, ist die Revision vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) Erfurt in diesen vier Fällen nicht zugelassen worden.

„Uns liegt die schriftliche Urteilsbegründung noch nicht vor“, sagt VW-Sprecher Rudi Stassek. Erst wenn der Konzern die Gründe kenne, werde über ein weiteres Vorgehen entschieden. Im Prinzip bleiben VW dann nur zwei Möglichkeiten: Entweder akzeptiert der Automobilhersteller die Entscheidung des LAG und beschäftigt die vier Mitarbeiter weiterhin, oder er legt eine Nichtzulassungsbeschwerde beim BAG ein. Doch diese Beschwerden haben wenig Aussicht auf Erfolg, wie die Erfahrung gezeigt hat.

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Der Automobilkonzern hatte im Februar 2010 insgesamt zwölf Mitarbeitern des Kasseler Werks fristlos gekündigt. Sie sollen sich auf Kosten von VW an zwei defekten Zigarettenautomaten bereichert haben. Nach Konzernangaben sollen 239 Beschäftigte ihre Chipkarten unrechtmäßig an den Automaten mit Guthaben aufgeladen haben. Dabei sei VW ein Schaden von 32.000 Euro entstanden. Der Betrug wurde im Kasseler Werk unterschiedlich sanktioniert. Ein Dutzend Mitarbeiter verlor den Job, nachdem die Sache aufgeflogen war.

Alle zwölf hatten zunächst gegen die fristlose Kündigung vor dem Arbeitsgericht in Kassel geklagt. Die Entscheidungen vor Gericht waren unterschiedlich ausgefallen: In sieben Fällen gaben die Kasseler Arbeitsrichter VW recht, in fünf Fällen wurden die Kündigungen für unwirksam erklärt. In vier Fällen wegen „Ungleichbehandlung“. Anderen Mitarbeitern, die sich bereichert hätten, sei auch nicht gekündigt worden, argumentierte damals ein Kasseler Richter. In einem Fall war die Kündigung wegen eines Formfehlers bei der Betriebsratsanhörung des Mitarbeiters für unwirksam erklärt worden.

Das LAG musste in zweiter Instanz insgesamt elf Kündigungen bearbeiten. Fünf der Kündigungen hat das Landesarbeitsgericht bereits im Frühjahr dieses Jahres als rechtskräftig bestätigt. Dabei ging es um Summen von 1000 Euro und mehr. Zwei Verfahren endeten vor dem LAG im Vergleich, wie Sprecher Henkel mitteilt.

Bei den vier Mitarbeitern, zwei jüngere Frauen und zwei Männer, die jetzt vor dem LAG gewonnen haben, ging es um Summen von 146 bis 196 Euro, die sie unrechtmäßig auf ihren Mitarbeiterausweis geladen haben sollen.

Laut Stassek sind die vier Mitarbeiter seit dem erstinstanzlichen Urteil in Kassel wieder im Werk beschäftigt. Allerdings haben sie alle neue Arbeitsplätze bekommen.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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