Zum Stadtjubiläum werden 40 seltene Oldtimer aus der französischen Partnerstadt Mulhouse gezeigt

Autos im Dornröschenschlaf

Kassel. Für Auto-Enthusiasten soll die Ausstellung wie der Blick in ein frisch geöffnetes Pharaonengrab werden: Zum Stadtjubiläum 2013 holen die Kasseler Heinz W. Jordan und Dr. Dietrich Krahn 40 seltene Oldtimer aus der weltberühmten Sammlung Schlumpf für eine Sonderschau nach Kassel.

Diese Auto-Exoten mit klangvollen Namen wie Hispano-Suiza, Bugatti, Delahaye, Isotta-Fraschini und Darracq rollen zum großen Teil längst nicht mehr. Jahrzehntelang haben sie in Scheunen und Schuppen ihr Dasein gefristet, Rost angesetzt und Risse im Leder bekommen, bis sie den sammelwütigen Fabrikantenbrüdern Schlumpf in Kassels französischer Partnerstadt Mulhouse in die Hände fielen.

„Das ist der letzte noch zu hebende Schatz der Automobilgeschichte.“

Heinz W. Jordan

Hunderte seltene Autos rafften die exzentrischen Brüder zusammen, trieben damit ihre Tuchfabrik in den Ruin und legten den Grundstein für das größte Automuseum der Welt in Mulhouse. Dessen Fundus ist so umfangreich, dass immer noch etwa 150 unrestaurierte Fahrzeuge in den alten Schlumpf-Hallen lagern. „Das ist der letzte noch zu hebende Schatz der Automobilgeschichte“, schwärmt Heinz W. Jordan, der auch das historische Herkules-Bergrennen mitorganisiert.

Gemeinsam mit Dietrich Krahn hat er eine Halle im Unternehmenspark an der Lilienthalstraße angemietet, wo die Auto-Raritäten in der Zeit vom 1. Mai bis 31. Juli 2013 gezeigt werden sollen.

Dabei könne das Publikum viel technikgeschichtliche Faszination erwarten, jedoch keine Schau mit auf neu getrimmten, hochglanzpolierten Show-Oldtimern, macht Jordan klar.

Ganz bewusst würden die Organisatoren Autos in verschiedenen Stadien des Gebrauchs und Verfalls auswählen – vom gut erhaltenen Original bis zum Edel-Wrack aus den Anfangsjahren des Autobaus. Der älteste Wagen, der nach Kassel komme, sei ein vom Zahn der Zeit zernagter Peugeot von 1898. „Der ist 100 Jahre nicht angefasst worden“, sagt Jordan.

Unter dem Titel „Schlafende Automobilschönheiten der Collection Schlumpf“ wollen die Ausstellungsmacher gemeinsam mit dem französischen Museum eine Grundsatzdebatte über den Umgang mit solchen Technikschätzen entfachen: Soll man sie konservieren, darf man sie restauratorisch aufhübschen, oder lässt man sie als eine Art Kunstwerk weiter verfallen?

Bewusstseinswandel

Derzeit vollziehe sich ein Bewusstseinswandel, sagt Jordan: Den perfekt wiederaufgebauten Veteranen, mit denen Gutsituierte auf Klassik-Ausfahrten spazieren fahren, „fehlt im Grunde die gesamte Geschichte“. Andererseits würden für stark angegriffene, dafür aber originale Auto-Raritäten auf Auktionen immense Summen gezahlt.

Diese Fragestellung finden offenbar viele spannend. Autokonzerne, Uni-Institute, TV-Sender und führende Fachmagazine interessieren sich laut Jordan für die Kasseler Schau. Der Leiter der Kunsthalle Fridericianum, Rein Wolfs, werde die Ausstellungsmacher beraten. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer übernimmt die Schirmherrschaft, und auch VW-Patriarch Ferdinand Piëch habe die Veranstaltung bereits in seinem Terminkalender stehen.

www.schlafende-automobil

schoenheiten.de

Von Axel Schwarz

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